Anzeigenpreise 2010: Zeitschriften erhöhen um 1,6 Prozent

Dienstag, 01. September 2009
VDZ-Marketingchef Holger Busch
VDZ-Marketingchef Holger Busch

Die Publikumsverlage erhöhen ihre Brutto-Anzeigenpreise im kommenden Jahr um durchschnittlich 1,6 Prozent. Basis sind die jeweiligen Tarife für eine ganzseitige Vierfarbanzeige bei über 600 Magazinen. Dies gab der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) am Dienstagmittag bekannt. Der VDZ begründet die Steigerung mit der „erwarteten Inflationsrate" im kommenden Jahr. „Angesichts nach wie vor konjunkturell unsicherer Erwartungen im kommenden Jahr geben die Verlage mit dieser insgesamt maßvollen Preispolitik ein wichtiges Signal an die werbungtreibende Wirtschaft mit Blick auf die notwendige Kostenstabilität und Planungssicherheit", bewertet Holger Busch, Geschäftsführer Marketing Anzeigen im VDZ, die Preisrunde 2010. Die „vorsichtige Preispolitik" der Verlage spiegele auch die nach wie vor unsicheren konjunkturellen Entwicklungen wider. Busch: „Robuste Signale für eine schnelle Wiederbelebung des Werbemarktes sind zumindest zurzeit noch nicht erkennbar, auch wenn sich einige gesamtwirtschaftliche Indikatoren gegenwärtig wieder verbessern."

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe ebenfalls jüngst auf eine Wiederbelebung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Europa und Deutschland hingewiesen. Vor dem Hintergrund umfangreicher Konjunkturprogramme, wachsender Staatsverschuldung, steigender Öl- und Rohstoffpreise sowie einer konjunkturellen Wiederbelebung gehe auch die EZB davon aus, dass die derzeitige Phase extrem niedriger Inflationsraten - nämlich Null - nur von kurzer Dauer sein werde, begründet der VDZ die Preispolitik der Verlage. Denn mit Blick auf 2010 habe die EZB angekündigt, die Preissteigerung mittelfristig unter, aber nahe 2 Prozent zu halten, deutet der VDZ die volkswirtschaftlichen Prognosen.

Mit Spannung erwartet wurde die Preisentscheidung des „Focus", der seine Auflagenstruktur auf Kosten der Reichweite jüngst beherzt bereinigt hatte; daher schwankten die Münchner bis zuletzt zwischen Preissenkung und Nullrunde - für Letztes hat sich „Focus" nun entschieden und verlangt für eine 4c-Anzeigenseite nach wie vor brutto 47.594 Euro. Der „Spiegel" erhöht um 2,9 Prozent auf 57.037 Euro, der „Stern" auf 56.175 Euro (plus 2,4 Prozent). Eine Anzeigenseite in der „Bild am Sonntag" kostet im kommenden Jahr 74.400 Euro, das sind 3,4 Prozent mehr als bisher.

Überhaupt: Kaum ein Magazin senkt seine Bruttopreise - ganz so, als gäbe es nicht auch mal ab und zu Leistungsschwund und keinen Preisdruck durch Nachfrageflaute und riesige Konkurrenz durch Werbeinventar online und offline. Dies ist ein Indiz dafür, dass die offiziellen Anzeigenpreisrunden zunehmend zur Farce werden: HORIZONT hatte vor zwei Wochen darüber berichtet, wie einige Verlage manche Bruttopreise im stillschweigenden Übereinkommen mit den Mediaagenturen erhöhen. Dies macht es den Agenturen einfacher, die immer höheren Rabattziele, die die werbungtreibenden Unternehmen fordern, zu erreichen - ohne dass die Verlage dadurch automatisch Nettoerlöse einbüßen. Die Folge: Die Brutto-Netto-Schere klafft weiter auf.

Als eines der wenigen größeren Magazine senkt der „Kicker"
(Donnerstagsausgabe) seine Preise - um 6,7 Prozent auf 20.340 Euro. Das „Ebay-Magazin" (G+J) halbiert fast seinen Seitenpreis auf nur noch 6900 Euro. Ansonsten dominieren in der Defensive meist nur Nullrunden. Ihre Anzeigenpreise um zweistellige Raten erhöhen dagegen unter anderem „Landlust" (um 22,2 Prozent auf 22.600 Euro), „Intouch" (um 19 Prozent auf 19.889 Euro), „Welt der Wunder" (um 13,4 Prozent auf 15.014 Euro), „In" (um 16,7 Prozent auf 14.000 Euro), „OK" (um 17,4 Prozent auf 13.500 Euro) und „My Life" (um 28,7 Prozent auf 13.900 Euro).

Die erste Reaktion von Werbungtreibenden auf die Preisrunde 2010 lässt nicht lange auf sich warten. Martin Ruppmann, Geschäftsführer des Kosmetikverbands VKE, hält die durchschnittliche Bruttopreiserhöhung von 1,6 Prozent zwar für „vom Grundsatz her verständlich". Fraglich sei jedoch, „ob damit auch gegenüber allen Werbekunden das richtige Signal für eine zukünftige Zusammenarbeit gegeben wird". Eine derartige Preisentwicklung berge die Gefahr, „dass insbesondere von Seiten der Mediaagenturen zu sehr darauf fokussiert wird, möglichst hohe Rabatte zu verhandeln und ausschließlich konditionsgetriebene Leistungspakete an Werbungtreibende weiterzugeben". Fragt sich nur, ob sich der VKE mit dieser Sorge nicht besser an die Agenturseite wenden sollte. rp
Meist gelesen
stats