Anleihe-Gläubiger sollen Mehrheit an EM-TV übernehmen

Donnerstag, 27. November 2003

Im Zuge der geplanten Restrukturierung einer 2005 fälligen Wandelanleihe über 469 Millionen Euro sollen die Bondgläubiger vom Medienunternehmen EM-TV die Kapitalmehrheit an dem Münchener TV-Rechtevermarkter erhalten. Würde das Konzept umgesetzt, wäre die in ihrer Existenz bedrohte Gesellschaft voraussichtlich gerettet. Die EM-TV-Aktie konnte von der Nachricht nur kurzzeitig profitieren und rutschte dann bis zu 25 Prozent ins Minus. Im dritten Quartal 2003 verbuchte der Konzern wegen millionenschwerer Wertberichtigungen erneut einen kräftigen Verlust.

Im Rahmen des Plans sollten die Anleihegläubiger zunächst 60 Prozent einer verkleinerten, neuen EM-TV halten. Die Strategie des Konzerns bleibe hiervon aber unberührt, hieß es. Das Konzept sieht vor, dass die Gläubiger der Anleihe komplett auf die Rückzahlung des 2005 fälligen Bonds verzichten und dafür ihre Forderungen in vier verschiedene Vermögensansprüche eintauschen. Die Anleihe-Gläubiger sollen EM-TV zufolge zunächst eine Barzahlung von 20 Millionen Euro erhalten. Zugleich wird die 45-prozentige Beteiligung an der Medienfirma Tele München Gruppe (TMG) in eine Holding - genannt "HoldCo I" - übertragen. Die Rechte an dieser erhalten die Anleihegläubiger, wobei EM-TV bei einem Verkauf der TMG jene Erlöse zustehen würde, die über einen Betrag von 150 Millionen Euro hinausgeht. Nahezu alle anderen Vermögenswerte EM-TVs sollten in eine zweite Holding - "HoldCo II" - eingebracht werden. An dieser Gesellschaft, die Rechtsnachfolger der alten EM-TV werde, sollten die Gläubiger 60 Prozent halten. Zugleich werde "HoldCo II" eine fünfjährige Optionsanleihe über 50 Millionen Euro mit acht Prozent Jahresverzinsung emittieren. Der neue Bond, der an die Gläubiger übertragen werde, sehe die Option auf zusätzliche 11,11 Prozent des Grundkapitals der Gesellschaft vor.

Im dritten Quartal verbuchte EM-TV wegen hoher Sonderabschreibungen auf Filmvermögen einen Konzernverlust von 43,1 (Vorjahr 44,9) Millionen Euro. Der Umsatz stieg zugleich um gut 15 Prozent auf 72,9 Millionen Euro. Das Eigenkapital im Konzern verringerte sich per Ende September drastisch auf 4,6 Millionen Euro - zu Jahresbeginn hatte es noch bei 129,9 Millionen Euro gelegen. nr
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