"Angriff auf die Privatradios": VPRT fordert Verbot von ARD-Sportradio

Donnerstag, 12. April 2012
"Angebot auf Zeit": WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz
"Angebot auf Zeit": WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz

Die ARD startet zur Fußball-Europameisterschaft einen digitalen Sportradiosender, der zeitlich befristet über die EM berichten soll. Der Privatsenderverband VPRT wittert darin jedoch den Versuch, einen neuen digitalen Kanal durch die Hintertür zu etablieren und schlägt lautstark Alarm. Der Sender "Event. Das ARD Sportradio zur UEFA Euro 2012" soll vom 19. Mai bis 8. Juli täglich 18 Stunden lang über die Fußball-Europameisterschaft, aber auch andere große Sportereignisse berichten. Unter anderem stehen auch die Schwimm- und Leichtathletik-Europameisterschaften und das Tennisturnier in Wimbledon auf dem Programm.

Der WDR betont, der Sender werde "sehr kostengünstig produziert" und "aus bestehenden Töpfen für das Digitalradio finanziert". Nachrichten und einzelne Sendungen werden aus den Programmen der ARD-Sender übernommen, insgesamt gebe es eine umfassende Zweitverwertung. Ergänzt wird das Programm durch Live-Moderationen und Live-Übertragungen von der Fußball-EM.

Verbreitet wird Event. Das ARD Sportradio über den digitalen Radiostandard DAB+ und im Internet als Livestream. Der WDR bietet das Programm zudem anderen Landesrundfunkanstalten zur Übernahme an.

Der federführende WDR betont, dass der Sender nicht zu einer Dauereinrichtung werden soll: "Das ist ein Angebot auf Zeit", sagt der WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass ein Sportradio ein attraktives Angebot für das Digitalradio sein könnte. Dafür fehlen die Voraussetzungen. Wir wollen aber schon genauer wissen, was unsere Hörerinnen und Hörer an so einem digitalen Angebot gefällt." So werde die Medienforschung des WDR das Projekt begleiten.

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"Wir betrachten dies als einen direkten Angriff"

VPRT-Vize Klaus Schunk wirft der ARD "blanken Zynismus" vor
VPRT-Vize Klaus Schunk wirft der ARD "blanken Zynismus" vor
Trotz dieser Beschwichtigungen fährt der Privatsenderverband VPRT verbal schweres Geschütz gegen den geplanten ARD-Sportsender auf. Offenbar wittert man den Versuch, dem erfolgreichen Fußball-Radiosender 90elf Konkurrenz zu machen. "Dieses Programm muss von der Medienpolitik ein klares Spielverbot erhalten", fordert VPRT-Vizepräsident und Radio-Regenbogen-Chef Klaus Schunk. "Es ist blanker Zynismus, wenn der WDR dieses Projekt öffentlich als 'Förderung des Digitalradios' deklariert, in internen Papieren aber laut Presseberichten davon spricht, man wolle einem erfolgreichen privaten Radiokanal 'etwas entgegensetzen'."

Nach Lesart des VPRT handelt es sich um den Versuch, ein bundesweit angelegtes Radioprogramm zu initiieren und als Testlauf herunterzuspielen. "Wir betrachten dies als einen direkten Angriff nicht nur auf einen Radiosender, sondern auf die Privatradios in Deutschland. Dem muss die Rechtsaufsicht einen unmissverständlichen Riegel vorschieben", fordert Schunk. "Andernfalls stehen Tür und Tor dafür offen, dass die ARD die Digitalisierung zu einer offensiven Wettbewerbsverdrängung der Privatradios in Deutschland auch mit länderübergreifenden, bundesweiten und spartenbezogenen Angeboten nutzt." 

Kritik kommt aber auch von Seiten der Landesmedienanstalten: Der geplante Sportsender sei eine "schwere Belastung für die gemeinsamen Anstrengungen von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk zur Förderung von Digitalradio in Deutschland", moniert der Hörfunkbeauftragte der Landesmedienanstalten, Gerd Bauer.

Wenn die ARD einen Testballon für ein Sportradio starte, das in publizistischer Konkurrenz zu einem wesentlichen Treiber der Markteinführung von Digitalradio auf der Seite des privaten Rundfunks steht, dann gefährde die ARD damit die Geschäftsgrundlage nicht nur dieses Veranstalters.

"Im Interesse der Fortführung der gemeinsamen Anstrengungen für einen Erfolg von Digitalradio bitte ich die Verantwortlichen auf Seiten der ARD, diesen Einstieg in einen Ausstieg aus dem solidarischen Miteinander für eine digitale Zukunft auch des Hörfunks in Deutschland nochmals zu überdenken", appelliert Bauer an die ARD. dh

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