Angriff auf Google und Yahoo: Facebook macht die E-Mail überflüssig

Dienstag, 16. November 2010
Facebook will seine Nutzer von Google und Co fernhalten
Facebook will seine Nutzer von Google und Co fernhalten

Facebook versucht seine Nutzer noch enger an sich zu binden. Das Social Network hat eine neue Kommunikationsplattform vorgestellt, die E-Mail-, SMS- und Chat-Nachrichten seiner Kunden bündelt. Die Offensive richtet sich vor allem gegen die großen Anbieter von E-Mail- und Kommunikationsdiensten. Wer bei Facebook angemeldet ist und künftig seinen gesamten Nachrichtenverkehr dort abwickelt, kann seinen Account bei Google, Yahoo und AOL im Prinzip auflösen, so offenbar das Kalkül von Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Sollte die Strategie aufgehen, dürfte die ohnehin schon hohe Verweildauer auf Facebook weiter ansteigen - genau wie die ebenfalls hohen Werbeerlöse.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg
Facebook-Chef Mark Zuckerberg
"Dies ist kein E-Mail-Killer", sagte Konzernchef Mark Zuckerberg während der Präsentation des neuen Dienstes im kalifornischen San Francisco, um nur wenig später anzukündigen, dass das Angebot eben weit über das Prinzip der elektronischen Post hinausgehe. Vielmehr handele es sich um ein modernes Nachrichtensystem, das die E-Mails, Facebook-Nachrichten und SMS der Kunden zusammenführen soll, so Zuckerberg.

Mit dem Dienst versucht Facebook, die Nutzer von der Last der Technik zu befreien. User des sozialen Netzwerks sollen künftig einfach eine Nachricht an einen Kontakt schicken können, ohne sich um den Übertragungsweg zu kümmern. Ob die Botschaft per SMS, als Chatnachricht, E-Mail oder Facebook-Botschaft versendet wird, bestimmt nicht der Nutzer, sondern hängt von der Erreichbarkeit und den Einstellungen des Empfängers ab. "Wir werden bald alle damit aufhören, altertümliche zehnstellige Zahlencodes und bizarre Buchstabensequenzen zu verwenden, um miteinander zu kommunizieren. Wir werden einfach Freunde namentlich auswählen und in der Lage sein, uns sofort mit ihnen auszutauschen", umreißt Facebook-Manager Joel Seligstein die Vision.

Auch eine Priorisierung der Nachrichten ist möglich. So können die Botschaften von wichtigen Personen in der sogenannten Social Inbox gespeichert werden. Um den Austausch mit Personen sicherzustellen, die keinen Facebook-Account haben, erhalten Mitglieder künftig auf Wunsch eine eigene E-Mail-Adresse mit der Kennung @Facebook.com.

Sollte sich die Mehrheit der Facebook-Mitglieder für den Dienst entscheiden, wäre das ein Schlag ins Gesicht der Wettbewerber. Denn mit weltweit rund 500 Millionen registrierten Usern könnte Facebook mit einem Schlag zum größten Kommunikationsanbieter aufsteigen. Laut Comscore ist bislang Microsofts Hotmail mit 361,7 Millionen Nutzern der größte Dienst, gefolgt von Yahoo mit 273,1 Millionen Nutzern und Googles Gmail mit 193,3 Millionen Nutzern. Dies würde auch die Werbeerlöse von Facebook weiter ankurbeln. In den USA ist Facebook laut Comscore bereits heute die Nummer 1 Laut Comscore bei Display-Anzeigen. mas
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