Angriff auf Facebook: Wie Google um das Vertrauen der User wirbt

Dienstag, 01. November 2011
Google attackiert Facebook
Google attackiert Facebook

Google attackiert seinen Intimfeind Facebook in seinem Kerngeschäft. Der Such-Gigant startet in diesen Tagen gleich mehrere Initiativen, von denen nicht zuletzt das eigene soziale Netzwerk Google+ profitieren dürfte, das in Rekordzeit auf beachtliche 40 Millionen Nutzer angewachsen ist. Im Mittelpunkt der aktuellen Produkt- und Kommunikationsoffensive steht neben dem Relaunch des Nachrichten-Aggregators Google Reader ein Thema, mit dem der rund 800 Millionen User zählende Wettbewerber Facebook immer wieder so seine lieben Probleme hat: Der Schutz der persönlichen Nutzerdaten. HORIZONT.NET stellt die Google-Maßnahmen im Detail vor.

Der Umbau des Google Readers - und die Proteste der Nutzer

Für Wachstumsimpulse bei Google+ dürfte in erster Linie der Relaunch des Google Reader sorgen. Der RSS-Aggregator präsentiert sich seinen Nutzern seit heute in einem neuen, dezenteren Design, das optisch stärker an das von Google+ angelehnt ist. Weitaus wichtiger ist jedoch, dass Google+ nun direkt in das Angebot integriert ist. Mitglieder des Ende Juni 2011 gestarteten Social Networks können ihre über den Feed-Reader abonnierten Nachrichten über den neuen +1-Button direkt auf ihrer Profilseite platzieren und dort mit ihren Freundenkreisen teilen. Was einigen Usern übel aufstößt ist, dass der Integration von Google+ einige beliebte Social-Media-Funktionen zum Opfer gefallen sind. Dazu gehört etwa das Teilen gelesener Artikel und das Abonnieren der geteilten Artikel. Dass ein beträchtlicher Anteil der Nutzer damit alles andere als einverstanden ist, zeigt die vom US-Studenten Brett Keller ins Leben gerufene Petition "Don't kill Google Reader", mit der zur "Rettung" des RSS-Aggregators aufgerufen wird. Der Protestbrief wurde laut Mashable.com bereits von über 10.000 Nutzern unterzeichnet.



"Warum diese Anzeige?": Größere Transparenz bei Adwords-Werbung

Auch in seinem Kerngeschäft - den Adwords-Suchanzeigen - kommt Google den Nutzern entgegen. Sofern diese bei Google eingeloggt sind, haben sie ab sofort die Möglichkeit, unerwünschte Anzeigen von den jeweiligen Inserenten zu blockieren oder personalisierte Anzeigen zu deaktivieren. Möglich wird das mit dem sogenannten Anzeigenvorgaben-Manager. Dieser kann über den Link "Warum diese Anzeige" aufgerufen werden, der ab sofort über jeder Annonce in den Suchergebnislisten platziert wird.

Wer also beispielsweise auf Google nach dem Begriff "Cola" sucht und Werbung von Redbull zu sehen bekommt, kann sich vom Anzeigenvorgaben-Manager erklären lassen, warum ausgerechnet diese Anzeige eingeblendet wird. Darüber hinaus wird ihm angeboten, den jeweiligen Inserenten zu blockieren (siehe auch Youtube-Video oben).

Google-Nutzer können künftig Anzeigen von Unternehmen blockieren
Google-Nutzer können künftig Anzeigen von Unternehmen blockieren
Der Debatte, dass dies Nachteile für die Werbekunden mit sich bringen könnte, versucht Google von vornherein einen Riegel vorzuschieben. "Wie oft Ihre Anzeigen von Nutzern blockiert wurden, wirkt sich auf Ihren Qualitätsfaktor und Anzeigenrang aber nicht direkt aus", versichert der Internet-Riese. Durch die erweiterten Personalisierungsmöglichkeiten erhöhe sich nicht nur die Transparenz für die Nutzer, sondern auch die Relevanz und der Nutzen der Werbung.

"Gut zu wissen" - Google wirbt für mehr Datenschutz

Google macht sich auf Anzeigen für einen verantungsvollen Umgang mit persönlichen Daten stark
Google macht sich auf Anzeigen für einen verantungsvollen Umgang mit persönlichen Daten stark
Während Facebook seit Jahren aufgrund seiner umstrittenen Datenschutzpraktiken mit Negativ-Schlagzeilen und teilweise auch Nutzeraustritten zu kämpfen hat, versucht sich Google nun verstärkt als Saubermann zu positionieren. Zusätzlich zu dem so genannten Datenschutzcenter, das Tipps für den verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Informationen bietet, startet Google gemeinsam mit dem Verein Deutschland sicher im Netz nun sogar eine Werbekampagne zu diesem Thema. Die von M&C Saatchi entwickelten und von Kolle Rebbe in Hamburg für Deutschland adaptierten Anzeigen machen Internetnutzer unter dem Motto “Gut zu wissen” darauf aufmerksam, wie sie sich im Netz bewegen und dabei idealerweise mit ihren persönlichen Daten umgehen sollten. OMD schaltet die Motive, die unter anderem in der "FAZ" und der "Süddeutschen Zeitung" zu sehen sind, noch bis Jahresende. Flankiert wird die Printkampagne von Outdoor- und Online-Maßnahmen (Digitalagentur: Glue).

Google will mit der Kampagne nach eigenen Angaben ganz allgemein das Bewusstsein für Sicherheitsaspekte sowie die nötige Medienkompetenz stärken. Nicht zuletzt dürfte der Web-Riese aber auch darauf hoffen, dass aufgrund der Datenschutz-Thematik weitere Facebook-Nutzer zu Google+ wechseln. Und das nicht zu Unrecht. Das explosionsartige Wachstum der vergangenen Monate deutet darauf hin, dass sich Google+ als echte Alternative etablieren könnte. Die nun ergriffenen Maßnahmen in puncto Datenschutz dürften diesen Trend noch beschleunigen.  mas
Meist gelesen
stats