Anfang vom Ende? "Der Sport-Tag" erscheint vorerst nur noch wöchentlich

Montag, 19. April 2010
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Die erste deutsche Sport-Tageszeitung - damit sorgte jüngst die SIM Verlagsgesellschaft in Berlin für Aufsehen, als sie den Titel "Der Sport-Tag" Mitte März auf den Markt brachte. Nur wenige Wochen später muss der Verlag die Erscheinungsweise bereits herunterfahren. Ab dem 3. Mai soll "Der Sport-Tag" zumindest vorerst nur wöchentlich erscheinen - immer montags, wenn unter anderem der große Rivale "Kicker" erscheint.  Als Grund nennt der Verlag fehlende Druckstandorte in Bayern, Baden-Württemberg, Rhein-Main und den neuen Bundesländern. Dadurch sei eine tägliche bundesweite Verbreitung derzeit noch nicht zu gewährleisten, was jedoch absolute Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg sei. Nach eigenen Angaben arbeitet der Verlag mit Hochdruck daran, die Druckkapazitäten auszubauen, um den täglichen Erscheinungsrhythmus möglichst bald wieder aufzunehmen. Spätestens zum Start der Bundesligasaison 2010/2011 am 20. August soll es soweit sein.

Die Nachricht passt ins Bild. Denn bereits zum Start des Titels waren deutliche Schwächen in der Umsetzung zu erkennen. Langweilige Optik, fehlende Exklusiv-Stories, inhaltliche Fehler und nur wenige bezahlte Anzeigen (HORIZONT 11/2010) ließen bereits zum Launch in der Medienbranche nur wenig Optimismus für das ehrgeizige Projekt aufkeimen. Dass offenbar vor dem Start nicht dafür gesorgt wurde, die nötige Druckstandorte aufzubauen, ist nur noch ein weiterer Beleg für die amateurhaft wirkende Herangehensweise.

Dabei wäre dem Projekt der Erfolg zu wünschen, denn in einer solchen Zeit ein neues Printprodukt zu starten, zeugt von Mut. Auch großer Ehrgeiz war zu erkennen. So nannten die Verantwortlichen die Traditionsblätter "L`Equipe" (Frankreich) und "La Gazetta dello Sport" (Italien) als ihre Vorbilder. Um mit diesen Qualitätstiteln mithalten zu können, fehlen aber offenbar die Ressourcen. Das Redaktionsteam zählte zum Start gerade einmal zwölf Mitglieder. Zum Vergleich: Beim "Kicker" arbeiten rund 50 Printredakteure.

Die Umstellung auf die wöchentliche Erscheinungsweise könnte für den "Sport-Tag" den Todesstoß bedeuten. Zwar ist nach Verlagsangaben der Zuspruch der Leser bislang groß, jedoch könnte sich das nun drehen. Schließlich kann der Titel die Nische als einzige deutsche Sport-Tageszeitung vorerst nicht mehr für sich nutzen. Außerdem werden die Leser durch die ständigen Wechsel im Erscheinungsrhythmus verwirrt und greifen im Zweifel zu Konkurrenzblättern. Eine derartige Veränderung muss durch umfangreiche Kommunikationsmaßnahmen bei den Lesern angekündigt werden, wofür jedoch ein großes Marketingbudget nötig ist. bn
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