Andreas Wiele: "Wir müssen den Fortschritt umarmen und uns selbst kannibalisieren"

Mittwoch, 01. Februar 2012
Andreas Wiele (Bild: Messe Frankfurt Exhibition GmbH/Pietro Sutera)
Andreas Wiele (Bild: Messe Frankfurt Exhibition GmbH/Pietro Sutera)

Dass Axel Springer auf Digital setzt, ist kein Geheimnis. Andreas Wiele, Vorstand der Bild-Gruppe und des Zeitschriftenbereiches bei Axel Springer, fordert die Verlagsbranche jetzt jedoch noch stärker dazu auf, sich digital zu engagieren: „Wir müssen den Fortschritt umarmen und eine offensive Selbstkannibalisierungsstrategie betreiben“, so Wiele auf der Mobilemesse M-Days in Frankfurt. Das traditionelle Geschäftsmodell der Verlage, bestehend aus Werbe- und Rubrikenerlösen sowie Vertriebserlösen, könne man nicht einfach ins Internet übertragen, meint der Verlagsmanager. „Das kann man mit der Pferdeindustrie zu Beginn des Autozeitalters vergleichen“, so Wiele. Jetzt gehe es darum, die digitalen Herausforderungen anzugehen – und als Chance zu begreifen, selbst wenn die gedruckte Zeitung noch länger bestehen werde, als es viele heute glauben.

Für die digitale Zukunft der Bild-Gruppe bedeutet das, „zurück zum dualen Erlösmodell“ zu kommen: Online generiere der Verlag Einnahmen über Werbeerlöse, auf mobilen Endgeräten über Bezahlinhalte. Auf Tablet-PCs hingegen könne auf beiden Wegen Geld eingenommen werden, so Wiele.

Deshalb habe die Bild-Gruppe zwei wesentliche Entscheidungen für journalistische Inhalte auf iPad und Co getroffen: „Wir wollen Geld vom Nutzer verlangen“, heißt die Devise. Die ersten Zahlen, die der Verlag dazu veröffentlicht hat,  scheinen die Strategie zu bestätigen. Über 100.000 digitale Ausgaben der "Bild" werden demnach über Smartphones und Tablets verkauft. Sogar die Rückkehr zum Gratiszugang auf Bild.de über die iPads habe sich positiv auf Verkaufszahlen der iPad-Apps ausgewirkt. „Es funktioniert, neben der Bezahl-App ein Gratis-Webangebot zu haben, wenn Nutzung und Darreichungsform unterschiedlich sind“, so sein Resümee.

Zudem betont Wiele die Bedeutung der Leserreporter als Informationsquelle: Seit 2006 habe die „Bild“ mehr als 15.000 der insgesamt 800.000 eingesendeten Fotos von Leserreportern abgedruckt und auch in den Bereichen Video und Testberichte für „Auto Bild“ habe sich das Konzept bewährt. Wiele betont jedoch auch, dass die Inhalte der Leserreporter von Journalisten redaktionell ausgewählt und bewertet werden würden. sw
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