Analyse: Warum der neue Dienstagabend von Kabel Eins gefloppt ist

Mittwoch, 25. November 2009
Kabel-Eins-Hoffnung: Luxus-Immobilien-Makler Fürst von Sayn-Wittgenstein
Kabel-Eins-Hoffnung: Luxus-Immobilien-Makler Fürst von Sayn-Wittgenstein

Mit einem neuen Dienstagabend-Programm wollte Kabel Eins die Zuschauer locken. Das hat allerdings nicht so gut geklappt, wie es sich Geschäftsführer Jürgen Hörner erhofft haben dürfte. Das neue Format "Der Immobilienfürst - unverkäuflich gibt's nicht" um 21.15 Uhr haben gerade einmal 1,13 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 3,7 Prozent) der Gesamtbevölkerung eingeschaltet. In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es sogar nur 0,69 Prozent (MA: 5,2 Prozent). In dem Coachingformat hilft ein echter Fürst, Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein, Hausbesitzern in finanzieller Notlage dabei, ihre Immobilie möglichst schnell und gewinnbringend zu verkaufen. In der ersten Folge traf er ein Ehepaar in einem verschlafenen Ort im Westerwald, das sein Traumhaus verkaufen muss, da die private Insolvenz droht. Grundsätzlich bietet das durchaus Stoff, aus dem sich eine quotenbringende Doku-Soap basteln lässt. Die Umsetzung war jedoch langweilig.

Zum einen sind die Zuschauer aus vergleichbaren Coaching-Sendungen inzwischen härtere Fälle gewöhnt. So muss beispielsweise Tine Wittler in dem RTL-Format "Einsatz in vier Wänden" Messi-Buden ausmisten. Zum anderen waren die Tipps von Immobilienfürst Wittgenstein alles andere als spektakulär: Denn eine Wohnung weiß zu streichen, damit sie größer wirkt, ein paar Möbel ins Wohnzimmer zu stellen, damit die portenziellen Käufer sich wohl fühlen, und sich von einem Sachverständigen bestätigen zu lassen, dass der Wasserschaden im Keller behoben werden kann - dazu braucht man nicht wirklich einen Immobilienexperten. 

Dazu kommt noch, dass von Sayn-Wittgenstein nicht gerade das ist, was man einen Sympathieträger nennt. Im Vorspann präsentiert sich der Fürst, der Familien in Not helfen soll, protzig mit seinem Porsche auf Mallorca. Mit teuren Klamotten, dicken Uhren und markigen Sprüchen walzt er durch die Sendung. Einfühlungsvermögen angesichts der Notlage der Hausverkäufer - Fehlanzeige.

Für ihn heißt es: "Schluss mit Hotel Mama!"
Für ihn heißt es: "Schluss mit Hotel Mama!"
Auch den Start der 2. Staffel von "Schluss mit Hotel Mama!" um 20.15 Uhr erzielte nur magere Quoten: nur 1,01 Millionen Zuschauer (MA: 3,1 Prozent) schalteten ein (14-49 Jährige: 0,71 Millionen, MA: 5,2 Prozent). In diesem Format werden renitente Nesthocker unerwartet aus dem komfortablen "Hotel Mama" geworfen. Bei dem erzwungenen Abnabelungsprozess steht der Diplom-Psychologe Michael Thiel den Nesthockern zur Verfügung und bietet ihnen Hilfe zur Selbsthilfe. In der Sendung landen also quasi die Fälle, die es versäumt haben, rechtzeitig Erziehungshilfe von der "Supernanny" (RTL) in Anspruch zu nehmen.

Hier lautet das Fazit ebenfalls: Idee vielversprechend, Umsetzung unspektakulär. Der Abnabelungsprozess inklusive Wohnungs- und Arbeitssuche verlief bis auf wenige Rückschläge relativ reibungslos. Langweilige Momente, zum Beispiel als das Muttersöhnchen in seinem Zimmer sitzt und still vor sich hingrübelt, zogen sich endlos wie Kaugummi.

Sternekoch Frank Rosin (l.) gibt gute Tipps
Sternekoch Frank Rosin (l.) gibt gute Tipps
Die dritte große Hoffnung des Senders am Dienstagabend lag bei dem Format "Rosins Restaurants - Ein Sternekoch räumt auf" um 22.10 Uhr. Doch auch hier wurden die Erwartungen enttäuscht. Magere 0,91 Millionen (MA: 4,5 Prozent) haben die TV-Premiere der neuen zehnteiligen Doku-Soap eingeschaltet (14-49-Jährige: 0,45 Millionen, MA: 5 Prozent).

Doch der Flop kommt nicht überraschend. Während beim "Immobilienfürst" und "Hotel Mama" zumindest bei der Idee Kreativität bewiesen wurde, sah man hier nur eine Kopie von bereits erfolgreichen Coaching-Sendungen für Restaurants. Das Konzept des Kabel-1-Formats: Sternekoch Frank Rosin deckt in der zehnteiligen Dokusoap in Gaststätten Kochsünden und unternehmerische Fehler auf. Das erinnert die Zuschauer zu stark an Sendungen wie "Rach - Der Restauranttester" (RTL) oder die "Kochprofis" (RTL 2). Irgendwann ist selbst der größte Fan dieser Koch-Coaches den Einheitsbrei satt. bn/dh
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