Amir Kassaei teilt aus: "WPP-Juroren bewerten taktisch"

Montag, 25. Juni 2012
Amir Kassei: Angriff auf WPP (Foto: Matthias Hempt)
Amir Kassei: Angriff auf WPP (Foto: Matthias Hempt)
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Der weltweite Kreativchef von DDB Amir Kassaei ist weiter in Angriffslaune. Zuletzt lieferte er sich eine Kontroverse mit dem deutschen ADC, jetzt knöpft er sich die weltgrößte Werbeholding WPP vor. Am Rande des Werbefestivals in Cannes kritisierte Kassaei das Verhalten einiger Juroren. Seine Attacke richtet sich offenbar insbesondere gegen die Jurymitglieder, die aus Agenturen der WPP-Gruppe kommen. Er habe von mehreren Seiten gehört, dass die Juroren aus anderen Holdings gebrieft worden seien, Omnicom zu "killen", insbesondere deren Agenturen BBDO, DDB und TBWA, zitiert "Campaign" den weltweiten CCO von DDB. Dieses Verhalten schade der Integrität und Verantwortung der Cannes Lions, so Kassaei weiter. Er selbst habe bei einem Meeting der Omnicom-Juroren in der vorigen Woche betont, dass man die Arbeiten nur nach ihrer Qualität beurteilen sollte und nicht danach, von welcher Agentur sie stammen.

Ausdrücklich weist Kassaei darauf hin, dass er nicht wegen des Abschneidens von DDB oder Omnicom reagiere, damit sei man sehr zufrieden. Das Problem sei ein anderes: "Cannes gilt als die Weltmeisterschaft der Werbung, nicht zuletzt wegen der Qualifikation der Juroren. Im Moment habe ich aber nicht das Gefühl, bei einer WM zu sein, weil einige Leute eher Politik machen anstatt die besten Arbeiten zu beurteilen", sagt der 43-Jährige. Unterstützung bekommt er von DDB-Urgestein Keith Reinhard: "Ich stimme allem zu, was Kassaei gesagt hat", erklärt er gegenüber "Campaign".

Die Attacke der Omnicom-Männer dürfte eine Antwort auf Äußerungen von WPP-Chef Martin Sorrell sein. Er hatte kritisiert, dass die Juroren in einer der 15 Kategorien vom Juryvorsitzenden beeinflusst worden sein sollen, offenbar zulasten von Agenturen aus der seiner Gruppe. Namen nannte Sorrell nicht. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass die Media-Jury unter Vorsitz des OMD-Chefs Mainardo de Nardis (Omnicom) gemeint ist. Einem Pressebericht zufolge hat es sogar eine Beschwerde der WPP-Mediatochter Group M bei den Festivalveranstaltern gegeben.

Das Wortgefecht hat einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund: Das Abschneiden bei Werbefestivals wird für die internationalen Holdings immer wichtiger. Sie wollen mit den Award-Ergebnissen dokumentieren, welche kreativen Spitzenleistungen ihre Tochterfirmen erbringen - und so bei neuen Auftraggebern und an der Börse punktenmam    
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