Amir Kassaei kehrt dem deutschen ADC den Rücken

Mittwoch, 23. Januar 2013
Amir Kassaei (Foto: Holde Schneider)
Amir Kassaei (Foto: Holde Schneider)

Vorige Woche hat er es im Interview mit HORIZONT angekündigt, jetzt kommt der Vollzug: DDB-Kreativchef Amir Kassaei kehrt dem Art Directors Club für Deutschland (ADC) den Rücken. In einem knappen Austrittsschreiben teilt der 44-Jährige den Verantwortlichen mit, die Gründe dafür seien hinlänglich bekannt. Der frühere Vorstandssprecher des Clubs wirft dem ADC falsche Weichenstellungen vor: "Wenn ich mir ansehe, welchen Kurs der ADC unter seiner neuen Führung eingeschlagen hat, dann muss ich feststellen: Das ist nicht mehr mein Club. Er verfolgt aus meiner Sicht nicht mehr bedingungslos das Ziel, relevante kreative Kommunikation zu fordern und zu fördern", sagt Kassaei.

Den Unmut des langjährigen Mitglieds hat sich der Verband darüber hinaus mit dem Vorstoß für ein eigenes Kreativranking zugezogen, das nur noch fünf Wettbewerbe umfasst. "Man muss Kreativität und Leistungsfähigkeit von Agenturen so bewerten, dass es Vorbildfunktion hat - und nicht so, als ginge es vor allem darum, die Kosten für Agenturen zu senken", so Kassaei. Zusätzlich dürfte er sich darüber geärgert haben, dass der Wettbewerb des ADC of Europe (ADCE), an dessen Spitze Kassaei steht, keine Rolle in der Rangliste des deutschen ADC spielt.

Bereits im vergangenen Jahr war er mit den Kollegen aneinandergeraten. Als ADCE-Chef hatte er Einzelmitgliedschaften im europäischen Dachverband vorgeschlagen. Bislang können nur die nationalen Clubs Mitglieder im europäischen Dachverband werden. Kassaeis Vorschlag stieß bei der deutschen ADC-Führung auf wenig Gegenliebe und wurde als Alleingang dargestellt. Dagegen wehrt sich der Kreative: "Die Idee ist kein Alleingang von mir, sondern den Kollegen seit Jahren bekannt. Während meiner Zeit als Vorstandssprecher des deutschen ADC haben wir das gemeinsam verabschiedet", unterstreicht Kassaei.

Er stand von 2008 bis 2009 an der Spitze des Clubs. Seinen damaligen abrupten Ausstieg begründet er so: "Ich habe hingeschmissen, weil ich nicht mehr bereit war, das finanzielle Missmanagement zu dulden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen wollte. Dafür sollte ich mich entschuldigen. Also bin ich gegangen."

Ende voriger Woche hatte bereits der frühere Vorstand und Schatzmeister Matthias Kindler seinen Austritt aus dem ADC verkündet. Verbandspräsident Stephan Vogel will die aktuellen Austritte nicht kommentieren. mam   
Meist gelesen
stats