Amazon-Doku: HR wehrt sich gegen Manipulationsvorwürfe

Mittwoch, 10. April 2013
Screenshot aus der HR-Dokumentation "Ausgeliefert - Leiharbeiter bei Amazon"
Screenshot aus der HR-Dokumentation "Ausgeliefert - Leiharbeiter bei Amazon"


Der Streit um die kritische Amazon-Dokumentation "Ausgeliefert" wird zur Schlammschlacht: Der Hessische Rundfunk setzt sich gegen die Behauptung zur Wehr, er habe in dem Film bewusst Aussagen fingiert, um Amazon und dessen Personal-Dienstleister in ein schlechtes Licht zu rücken. Dieser Vorwurf kam vom Anwalt des Jobtouristik-Unternehmens Coco, das jüngst eine einstweilige Verfügung gegen eine in dem Film verwendete Aussage erwirkt hat. Konkret ging es um eine in der Dokumentation gezeigte E-Mail einer vermeintlichen polnischen Leiharbeiterin namens Agnieszka Lewandowska, in der diese behauptet, Amazon-Saisonkräfte seien im Keller eines Restaurants "abgefüttert" worden "wie die Schweine". Dieser Halbsatz wird in der ARD-Mediathek aufgrund der EV derzeit unkenntlich gemacht. Doch damit nicht genug: Die zitierte polnische Frau hat nie bei Amazon gearbeitet. Vielmehr stammte die Aussage von einem ungenannten Zeugen, dem man aus Gründen des Personenschutzes das Alias Agnieszka Lewandowska gegeben habe, wie der HR mitteilt: "Alle in der Dokumentation aufgeführten Zeugen und schriftlichen Belege existierten nachweislich."

Dies wurde in der Ausstrahlung aber nicht deutlich. Anwalt Ralf Höcker, der Coco Jobtouristik vertritt, hatte der Sendeanstalt bereits scharf angegriffen. In einer Stellungnahme aus Höckers Kanzlei wurde die HR-Rechtsabteilung mit dem Satz zitiert: "Richtig ist, dass eine Frau Agnieszka Lewandowska niemals als Leiharbeiterin bei Amazon beschäftigt war." Dieses Vorgehen beschreibt der HR wiederum als manipulativ: "Unerwähnt bleibt der unmittelbar folgende Satz: 'Hierbei handelt es sich um eine Legende, derer sich die Autoren zum Schutz ihres Informanten bedient haben'", heißt es in der Mitteilung des HR. Inhaltlich habe man nichts zurückzunehmen. Der Sender erwägt nun, gegen Höckers Aussagen sowie andere Verlautbarungen und Falschbehauptungen gerichtlich vorzugehen.

Im Februar musste sich der HR bereits mit Vorwürfen auseinandersetzen, unsauber gearbeitet zu haben: Damals wurde diskutiert, ob eine in dem Film zitiert spanische Amazon-Leiharbeiterin falsch wiedergegeben wurde. ire
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