Amazon-Doku: Geschasster Personaldienstleister erwirkt einstweilige Verfügung gegen HR

Montag, 08. April 2013
Die HR-Doku "Ausgeliefert" lief am 13. Februar 2013 (Bild: Screenshot ARD-Mediathek)
Die HR-Doku "Ausgeliefert" lief am 13. Februar 2013 (Bild: Screenshot ARD-Mediathek)


Die ARD-Dokumentation "Ausgeliefert - Leiharbeiter bei Amazon" wirkt auch fast zwei Monate nach Ausstrahlung nach: Der Personaldienstleister Coco Jobtouristik, dem in dem Film vorgeworfen wurde, Zeitarbeiter schlecht zu behandeln, hat vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den Hessischen Rundfunk erwirkt. Der Film darf daher in seiner bisherigen Form nicht mehr in der ARD-Mediathek gezeigt werden. In der Dokumentation wurde aus einer E-Mail zitiert, laut der Leiharbeiter im Keller eines Restaurants "abgefüttert" worden seien "wie die Schweine". Diese "Schmähkritik" sei dem HR vom Landgericht in Hamburg verboten worden, sagt Coco-Rechtsbeistand Ralf Höcker in einer Stellungnahme, die HORIZONT.NET vorliegt. Amazon hatte sich nach heftiger Kritik von Coco Jobtouristik getrennt. Die Leipziger Firma für die Unterbringung und Verpflegung der Amazon-Saisonarbeiter zuständig.

Obwohl Coco Jobtouristik sich an mehreren Stellen des Films stört, sei in dem Antrag bewusst nur eine "besonders krasse Formulierung angegriffen" worden, um den juristischen Aufwand überschaubar zu halten und eine schnelle Entscheidung zu bekommen, heißt es in Höckers Statement. Das Gericht habe dem Antrag voll entsprochen. Durch die punktuelle Verfügung sei zwar nicht der ganze Film verboten, er dürfe trotzdem mit sofortiger Wirkung nicht mehr in der ursprünglich gesendeten Fassung ausgestrahlt oder in der Mediathek gezeigt werden. Bei Zuwiderhandlung droht dem HR ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro.

Doch damit nicht genug: Die im Film als Beweis für die behaupteten Missstände als Screenshot gezeigte E-Mail war offenbar fingiert, die angebliche polnische Zeugin frei erfunden. Laut Höckers Kanzlei habe die HR-Rechtsabteilung mitgeteilt, es entspreche der Wahrheit, "dass eine Frau Agnieszka Lewandowska niemals als Leiharbeiterin bei Amazon beschäftigt war." ire
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