Allensbach-Chefin Renate Köcher: „Es gibt kein Print-Gattungsschicksal“

Freitag, 09. November 2012
Renate Köcher (Foto: Allensbach)
Renate Köcher (Foto: Allensbach)

Wohltuend differenzierte und ermutigende Botschaften für Verlage: Die Zahlungsbereitschaft der Deutschen für kostenpflichtige journalistische Angebote im Internet ist gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel gestiegen – wenn auch noch auf niedrigem Niveau. „Der Paid-Content-Zug nimmt so langsam Fahrt auf“, informiert Renate Köcher, Chefin des renommierten Marktforschungsinstituts für Demoskopie Allensbach, auf dem Publishers’ Summit des VDZ in Berlin. Und überhaupt: „Es gibt kein Print-Gattungsschicksal“, sagt Köcher. Man müsse die Gattung viel differenzierter betrachten, denn die Auflagen- und Reichweitenverluste konzentrierten sich auf wenige Segmente und Titel (Computer-, Programm- und Kundenmagazine). Außerdem verzeichnen ihre Studien seit langem mal wieder einen leichten Anstieg der Print-Nutzung bei den Unter-30-Jährigen, durch etliche neue erfolgreiche Titel. Köcher ärgert sich zudem darüber, wie wenig die Verlage die „einzigartige Stärke“ ihres Mediums herausstellen – nämlich dass überdurchschnittlich qualifizierte Zielgruppen erreicht werden.

Gleichwohl stehen die Verlage vor gewaltigen Herausforderungen, so die Marktforscherin. Die Häuser benötigen publizistische Konzepte für die immer sporadischere Mediennutzung (zum Beispiel im riesigen Segment der Frauentitel), die stärkere eigenständige Selektion der Inhalte und das immer heterogenere Publikum: Die generationsspezifischen Informations- und Kommunikationsinteressen entwickeln sich auseinander – und auch die von Männern und Frauen, trotz Angleichung der Bildungsniveaus. Das alles klingt nach einer guten Zukunft zumindest für Zielgruppen- und Special-Interest-Zeitschriften. rp
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