"Alle gegen Bild": Im Internet formiert sich Widerstand gegen die Gratis-Bild

Freitag, 13. April 2012
Die Initiative ruft zum Boykott der Gratis-Bild auf
Die Initiative ruft zum Boykott der Gratis-Bild auf


Es sollte eigentlich eine öffentlichkeitswirksame Werbeaktion werden: Zum 60. Geburtstag der "Bild"-Zeitung will Axel Springer bundesweit alle Haushalte mit einer Sonderausgabe seiner Boulevardzeitung beglücken. Doch im Internet formiert sich Widerstand gegen die Aktion. Mehrere Initiativen rufen dazu auf, der kostenlosen Zustellung zu widersprechen. So stellen die Kampagnenportale Campact und Alle-gegen-Bild im Internet Formulare zur Verfügung, mit denen man der Zustellung der Gratis-Ausgabe widersprechen kann. Wer auf den Button "Jetzt absagen!" klickt, gelangt zu einem vorformulierten Formular, das es Axel Springer ausdrücklich untersagt, die Jubiläums-Edition an die besagte Adresse zu liefern. In einem Textfeld kann man seine Verweigerung zudem begründen. Unterstützt wird die Kampagne von der Initiative Campact.de - Demokratie in Aktion.

Wer hinter der Website Alle-gegen-Bild steckt, ist dagegen nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Im Impressum der Website steht ein Berliner Café names Kjosk. Die Stoßrichtung der initiatoren wird allerdings schnell ersichtlich: Man wolle wieder "eine öffentliche Diskussion über die Machenschaften der Bild und des Springer-Verlages anstoßen", heißt es auf der Website. Das Ziel der Initiative sei es, den logistischen Aufwand "dieser Propagandaaktion" zu erhöhen und darüber hinaus die Auflage der Bild-"Zeitung" und damit ihre Einnahmen durch Werbeanzeigen zu drücken.

Bei Axel Springer reagiert man gelassen auf die Anti-Bild-Aktion. Noch sei überhaupt nicht entschieden, ob die Jubiläumsausgabe überhaupt produziert werde, sagt ein Sprecher gegenüber HORIZONT.NET. Derzeit laufen Gespräche mit potenziellen Anzeigenkunden. Berichte, das Projekt stehe wegen mangelnden Zuspruchs auf der Kippe, weist Springer zurück. Sollte die Jubiläumsausgabe produziert werden, werde man aber alle Widersprüche beim Vertrieb beachten.

Im Netz zieht die Aktion mittlerweile ihre Kreise. Bis Freitagvormittag hatten immerhin bereits fast 50.000 Nutzer der Zustellung widersprochen. Auf der Facebook-Seite von Campact kommt die Aktion bislang auf rund 1000 Likes. Bei Twitter zählte die Aktion am Donnerstag zeitweise zu den meistdiskutierten Themen.

Im Vergleich zur geplanten Auflage der Bild-Jubiläumsausgabe nehmen sich diese Zahlen indes recht bescheiden aus: Springer will am 23. Juli alle rund 41 Millionen Hauhalte in Deutschland mit der "Bild" beliefern - inklusive Werbeverweigerern. dh
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