Aktionärsschützer unterstützen EM.TV-Rettungsplan

Donnerstag, 05. Februar 2004

Das von der Pleite bedrohte Medienunternehmen EM.TV hat den Aktionären einen Rettungsplan vorgelegt, mit dem die Gläubiger die Mehrheit übernehmen sollen. Der Vorstandschef und Hauptaktionär Werner Klatten beschwor die über 1.000 Teilnehmer der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag in München, nur so könne eine Insolvenz in den nächsten Wochen abgewendet werden. Aktionärsschützer sprachen von einer "bitteren Pille", unterstützten das Konzept aber. "Es gibt keine Alternative", sagte Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

EM.TV kann eine Anleihe über 469 Millionen Euro nicht mehr zurückzahlen. Der Rettungsplan sieht vor, dass die Anleihe-Gläubiger auf gut die Hälfte verzichten, dafür aber 60 Prozent der Aktien einer Neuen EM.TV erhalten. Vorstandschef Klatten sagte, ohne den "Mühlstein" der Anleihe wäre EM.TV "ein komplett saniertes Unternehmen mit attraktiven Perspektiven". Ab 2005 werde es "endlich Gewinne" machen. Bergdolt kritisierte, der Rettungsplan lasse die Aktionäre "noch einmal richtig bluten". Sie hätten künftig nur noch 40 Prozent der Anteile. Aber die Hälfte des Grundkapitals sei schon weg, EM.TV stehe mit einem Bein an der Insolvenz: "Es geht heute ums Überleben." Deshalb bleibe nichts anderes als dem Konzept zuzustimmen.

Der Rettungsplan bedarf einer Zustimmung von 97,5 Prozent der Gläubiger, sonst ist die Insolvenz unausweichlich. Bis jetzt sollen über 90 Prozent der Gläubiger zugestimmt haben. Die Frist läuft am Freitag nächster Woche ab. Würde die Zustimmungsquote gesenkt, blieben die Schulden so hoch, "dass mittelfristig die Insolvenz trotzdem kommt", fügte Klatten hinzu. nr
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