Aktienverkauf: RTL geht Kollision mit P7S1 aus dem Weg

Donnerstag, 04. April 2013
Bertelsmann will die RTL Group noch im Frühjahr an die Börse bringen
Bertelsmann will die RTL Group noch im Frühjahr an die Börse bringen
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Bertelsmann macht seinen Zeitplan zum Verkauf von RTL-Group-Aktien bekannt: Sollte es zu einem Verkauf kommen, sollen die Anteile bis Ende Juni platziert werden, teilt der Konzern mit. Im Februar hatte Bertelsmann angekündigt, Aktien seines wichtigsten Assets, das einen Großteil zum Ergebnis des Gütersloher Medienkonzerns beisteuert, verkaufen zu wollen.
Bertelsmann-CEO Thomas Rabe braucht Geld, um in neue Geschäftsfelder zu investieren, will aber mindestens 75 Prozent der Anteile der Cash-Cow RTL behalten, die für 2012 gerade ein Rekordergebnis abgeliefert hat. Bertelsmann will daher unbedingt die Kontrolle behalten. Ob und in welchem Umfang Aktien veräußert werden hängt jedoch von dem Preis und der Stimmung ab, den Bertelsmann am Kapitalmarkt erzielen kann.

Vor diesem Hintergrund ist das Timing gut gewählt. Zum einen sind derzeit große Assets auf dem Markt wie der Fachverlag Springer Science & Business Media, an dem Rabe lange interessiert war: Im März war er allerdings wegen des kolportierte Kaufpreises von 3 bis 4 Milliarden Euro zurückgerudert, der für Bertelsmann derzeit zu hoch sei. Außerdem steht auch die Scout-Gruppe mit ihren Rubrikenmärkten zum Verkauf, die noch im Besitz der Telekom ist, und für 1,7 Milliarden Euro auf dem Markt sein soll.

Zum anderen kann Bertelsmann mit einem schnellen Verkauf einer direkten Kollision mit Pro Sieben Sat 1 aus dem Weg gehen. Die Eigentümer des TV-Konzern in Unterföhring, KKR und Permira, haben angekündigt, in diesem Jahr aussteigen zu wollen. Dazu ist jedoch eine Umwandlung von stimmrechtlosen Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien notwendig, über die jedoch erst die Hauptversammlung beschließen muss. Diese ist jedoch erst am 23. Juli. Danach gilt eine vierwöchige Widerspruchsfrist, so dass die Anteile frühstens Ende August verkauft werden könnten.

Kämen Pro Sieben Sat 1 und RTL Group zeitgleich auf den Markt, dürfte es für beide Konzerne schwieriger werden, das geplante Kapital zu generieren, weil gerade institutionelle Investoren voraussichtlich nur Assets von einem der beiden TV-Unternehmen in ihre Portfolien aufnehmen werden. Um so schneller Rabe daher die Anteile der RTL Group verkauft, um so besser ist es.

In Deutschland und Luxemburg, dem Stammsitz der RTL Group, sollen die Aktien privaten und institutionellen Investoren angeboten werden, außerhalb dieser Länder nur institutionellen Investoren. Die Aktie soll neben der Börse in Luxemburg und der Euronext in Brüssel auch im regulierten Markt der Frankfurter Börse gehandelt werden. Neben Deutsche Bank und Morgan Stanley sind auch Merrill Lynch, Citgroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, BNP Paribas und Société Générale mit im Boot.

Rabe fürchtet die Abhängigkeit Bertelsmanns vom konjunkturabhägigen und damit volatilen Werbegeschäft und hatte deshalb schon zu Amtsantritt im Januar 2012 angekündigt, Bertelsmann weitere Geschäftsbereiche hinzufügen zu wollen. Seinerzeit sollte das Geld für Zukäufe allerdings aus anderen Quellen kommen. So war mit der Umfirmierung des Konzerns in eine Europäische Aktiengesellschaft auch die Rede von einer Notierung von Bertelsmann selbst. Diese Pläne sind jedoch schon seit Mitte 2012 schon wieder vom Tisch. pap
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