"Affront": Focus wirft Interview mit Renate Künast aus dem Heft

Montag, 27. Juni 2011
Die aktuelle Ausgabe des "Focus"
Die aktuelle Ausgabe des "Focus"

Streit zwischen den Grünen und dem "Focus": Nachdem das Magazin ein bereits abgestimmtes Interview mit Fraktionschefin Renate Künast wieder aus dem Heft geworfen hat, haben die Grünen das in weiten Teilen harmlose Interview auf ihrer Website selbst veröffentlicht und werfen dem "Focus" einen Affront vor. Das Interview mit Künast hätte im Umfeld des Aufmachers mit dem Titel "Die Entzauberung der Grünen" erscheinen sollen. Doch offenbar passte das Interview nicht zum kritischen Tenor der Geschichte mit dem Untertitel "Warum die Macht der Öko-Partei völlig überschätzt wird". Die Chefredaktion kegelte das fertig abgestimmte Interview aus dem Blatt. "Zu langweilig sei das Interview, zu glatt, zu ungeeignet", teilte der zuständige Focus-Redakteur dem Pressesprecher der Grünen-Fraktion, Michael Schroeren, telefonisch mit. "Ein abgestimmtes Interview, das ohne nachvollziehbare Begründung aus dem Heft geworfen wird: Das ist mehr als ein starkes Stück, das ist ein beispielloser Affront", schreibt Schroeren auf der Website der Grünen. 

Der "Focus" verteidigt die Entscheidung damit, dass das Interview in seinem Wortlaut stark verändert worden sei: "Als die Focus-Chefredaktion entschieden hat, das Interview mit Renate Künast nicht abzudrucken, haben wir in den normalen Spielräumen der redaktionellen Freiheit agiert. Änderungen bis zum Redaktionsschluss sind bei einem wöchentlichen Nachrichtenmagazin Usus", kommentiert Focus-Chefredakteur Uli Baur. "Vor allem, wenn ein Wortlaut-Interview, wie bei Frau Künast und ihrem Pressesprecher geschehen, im Nachhinein in seiner Aussage verändert wird."

Laut Grünen-Pressesprecher Schroeren habe man dagegen sämtlichen Kürzungs- und Änderungswünsche der Redaktion zugestimmt: "Am Ende stand eine Interview-Fassung, die zwischen beiden Seiten in völligem Einvernehmen abgestimmt war."

Auf den Vorschlag der "Focus"-Redaktion, das Interview im Internet zu veröffentlichen, wollten sich die Grünen allerdings auch nicht einlassen: "So schlecht finden wir unser Interview nicht, dass es gleich die Zweitverwertung verdient hätte", schreibt Schroenen. Auch eine auf die Hälfte eingedampfte Fassung war für die Grünen nicht akzeptabel. Die Grünen haben das Interview daher nun selbst auf ihrer Website veröffentlicht. dh
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