Ärzte wollen aus Protest Zeitschriften-Abos kündigen

Mittwoch, 06. Oktober 2010

Der Ärztliche Sachverständigenrat für eine verantwortungsvolle Medizin in Deutschland fordert bundesweit alle Ärzte auf, am 15. Oktober ihre Zeitungs- und Zeitschriftenabos zu kündigen. "Wir sind die ständige Falschberichterstattung über Ärzte in den Medien leid und werden diese Fehlinformation nicht mehr in die Wartezimmer lassen", sagt Michael Lütgemeier, Sprecher des Sachverständigenrates. Lütgemeier protestiert insbesondere gegen die "ungeprüfte Übernahme des Begriffs der angeblichen 'Vorkasse'". Es sei nicht gedacht, dass die Patienten das Geld vorstrecken müssen, sondern die Krankenkassen sofort bezahlen, wenn sie von ihren Versicherten die Rechnung erhalten. Da die Krankenkassen sich vor der dadurch drohenden Transparenz der Kosten fürchten, so Lütgemeier, würden sie über ihre PR-Agenturen den Begriff "Vorkasse" verbreiten lassen, um Patienten gezielt zu verunsichern.

Es sei außerdem "hochgradig unseriös" seitens der Medien ständig von einem angeblich so hohen Arzteinkommen zu sprechen. Laut Lütgemeier würde dabei lediglich der Umsatz betrachtet und nicht die Sach- und Personalkosten, die davon noch abgehen.

Der Ärztliche Sachverständigenrat greift mit diesem Aufruf auf die Idee des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, Günther Gerhardt, zurück. Gerhardt hat die Kollegen in seinem Bundesland bereits dazu angehalten, mit einer gemeinsamen Kündigung am 15. Oktober gegen die Berichterstattung zu protestieren.

Landesweit liegen in den Wartezimmern von Arztpraxen Zeitschriften und Zeitungen aus. Wie groß der Einfluss des ärztlichen Sachverständigenrates ist, lässt sich schwer einschätzen. Über das Gremium selbst sind online keine näheren Informationen zu finden. Nur so viel: Der Rat organisiert sich über das Ärztenetzwerk Hippokranet.de. Nach eigenen Angaben sind hier 45.000 Nutzer registriert. hor
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