Ärger für RTL: "DSDS" verstößt wieder gegen Jugendschutz

Freitag, 22. Januar 2010
Wieder Stress bei "DSDS": Jurykommentare verstoßen gegen Jugendschutz
Wieder Stress bei "DSDS": Jurykommentare verstoßen gegen Jugendschutz

Bereits mit der ersten Folge der aktuellen "Deutschland sucht den Superstar"-Staffel hat RTL gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags verstoßen. Zu diesem Ergebnis kam die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) gestern in ihrer Sitzung in München. Demnach liegt bei der am 9. Januar ausgestrahlten Sendung eine Entwicklungsbeeinträchtigung für Kinder unter zwölf Jahren vor. Besonders das herabwertende Verhalten der Jury sowie die redaktionelle Gestaltung durch RTL, die Kandidaten der Casting-Show gezielt lächerlich macht und so dem Spott eines Millionenpublikums aussetzt, werden von der KJM problematisiert. In einer Szene der beanstandeten Sendung wurde ein Kandidat mit einem Fleck auf der Hose gezeigt. Von RTL wurde die Situation so dargestellt, als hätte sich der Castingteilnehmer vor laufender Kamera in die Hose gepinkelt. Die KJM kritisiert, dass dies in der Sendung mehrfach thematisiert, gezeigt und der 18-Jährige zudem mittels verschiedener Inszenierungstechniken lächerlich gemacht wurde.

Insgesamt sahen 7,42 Millionen Menschen die erste Folge der Castingshow - und damit auch die "Pinkel-Szene". Bei den 14- bis 49-Jährigen konnte sogar ein Marktanteil von 35 Prozent erzielt werden. "Hier werden nicht nur beleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten als normale Umgangsformen präsentiert. Hier werden Verhaltensmodelle vorgeführt, die Häme und Herabwürdigung anderer als völlig legitim darstellen. Das wirkt erklärten Erziehungszielen wie Toleranz und Respekt entgegen und kann eine desorientierende Wirkung auf Kinder ausüben", äußert sich KJM-Vorsitzender Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring zu dem Vorfall.

Bereits 2007 musste sich „Deutschland sucht den Superstar" der Kritik der KJM stellen. Die Gründe waren auch damals die gezielte Inszenierung, die Kandidaten ins Lächerliche zieht, sowie die herabsetzenden Kommentare der Jury, insbesondere Dieter Bohlens. 2008 wurde für RTL ein Bußgeld in Höhe von 100.000 Euro wegen wiederholter Jugendschtz-Verstöße fällig. Daraufhin verpflichtete sich RTL, die Sendungen vor Ausstrahlung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vorzulegen. Diese hat auch im aktuellen Fall die Sendung für die Ausstrahlung freigegeben. Laut KJM wurden die Grenzen des Beurteilungsspielraums der FSF zwar nicht eindeutig überschritten, allerdings sei es dringend erforderlich, die Anwendung von Jugendschutz-Kriterien bei der Bewertung von Fernsehformaten noch einmal mit den Verantwortlichen der FSF abzusprechen.

RTL selbst sieht keinen Verstoß gegen Jugendschutzbestimmungen: Wie vereinbart lege der Sender alle Castingfolgen von „DSDS" der FSF zur Prüfung vor. Die Sendung vom 9. Januar habe "von der zuständigen FSF die Freigabe für die Ausstrahlung sowohl am Abend als auch am Nachmittag erhalten". Demnach sei die Ausstrahlung der Folge rechtens und damit nicht zu beanstanden. hor
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