Abschied nach 14 Jahren: Axel Wüstmann verlässt Gruner + Jahr

Mittwoch, 31. Oktober 2012
Axel Wüstmann nimmt bei G+J seinen Hut
Axel Wüstmann nimmt bei G+J seinen Hut

An der Spitze wurden die Stühle knapp: Axel Wüstmann verlässt Gruner + Jahr. Der Verlag bestätigt eine entsprechende Information von HORIZONT.NET auf Nachfrage. Wüstmann gehe „im besten Einvernehmen", betont der Verlag. Dies darf man in diesem Fall durchaus glauben - dennoch hat die Personalie einen interessanten Hintergrund. Denn Wüstmann, 38, galt bei G+J unter den Vorstandschefs Bernd Kundrun (bis 2008) und vor allem Bernd Buchholz (2009 bis September 2012) als einer von denen, die es auch mal in den Vorstand schaffen wollten und könnten - spätestens 2010, als er mit damals 35 Jahren als Jüngster in die Geschäftsführerriege aufrückte.

Nach MBA und diversen Stationen im Verlag (Vertrieb, Vorstandsassistent, „Stern"-Verlagsleitung, Geschäftsführer Stern.de; Verlagsleiter „Brigitte") übernahm er 2010 den Bereich Operations (IT, Verwaltung, Einkauf) und verantwortete zugleich als Change Manager alle Umbauprojekte des Verlags. Spätestens zu dem Zeitpunkt wähnten ihn Insider im Rennen mit Julia Jäkel (damals Geschäftsführerin der Living-Titel) um höhere Weihen.

Dann zentralisierte Wüstmann unter CEO Buchholz das Digitalgeschäft, in zwei Schritten 2011 und 2012. Seine Geschäftsführerkollegen, darunter auch Jäkel, mussten Macht abgeben. Vielleicht war ja auch Widerstand der Verlagsgruppen einer der Gründe, warum G+J sein Digitalgeschäft bis zuletzt so kleinschrittig zentralisiert hatte. So durfte Jäkel etwa die Food-Community Chefkoch.de auch nach dem zweiten Zentralisierungsschritt noch behalten.

Doch im September ging bekanntlich alles sehr schnell: Buchholz nahm seinen Hut, Jäkel wurde Deutschland-Chefin. Das von Wüstmann gebaute Digital-Organigramm übernahm sie nicht nur - sondern zentralisierte schnell auch noch den letzten Rest, inklusive Chefkoch.de. Trotzdem keine späte Bestätigung für Wüstmann: Er musste die Verantwortung für das komplette Digitalgeschäft abgeben; Jäkel sieht dieses bei Vermarktungschef Stan Sugarman besser aufgehoben. Glaubt man dem G+J-Flurfunk, wurden Wüstmann zwar alternative Jobs angeboten, doch offenbar hat er diese nicht als echte Alternative empfunden. rp
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