Abhörskandal: Die Luft für Rupert Murdoch wird immer dünner

Montag, 18. Juli 2011
Die Affäre um Rupert Murdochs Medienkonzern zieht ganz Großbritannien in ihren Bann
Die Affäre um Rupert Murdochs Medienkonzern zieht ganz Großbritannien in ihren Bann

Der Abhörskandal um Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. zieht immer weitere Kreise und bringt inzwischen auch Politik und Polizei stark in Bedrängnis. Am Wochenende wurde die Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks zunächst festgenommen und am Montagmorgen gegen eine Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch der Londoner Polizeichef Paul Stephenson ist inzwischen zurückgetreten. Premier David Cameron soll angesichts neuer brisanter Enthüllungen sogar früher als geplant von einer Afrikareise nach Afrika zurückkehren.
Murdoch entschuldigt sich auf Anzeigen  für den Abhörskandal
Murdoch entschuldigt sich auf Anzeigen für den Abhörskandal
Bei der 43-jährigen Brooks handelt es sich dem Vernehmen nach um eine der zentralen Figuren im Abhörskandal um "News of the World". Die ehemalige Chefredakteurin der Boulevardzeitung war erst Ende vergangener Woche als Chefin der britischen Zeitungssparte von News Corp, News International, zurückgetreten. Zur Erinnerung: "News of the World" soll Spezialisten beauftragt haben, die Handys von Prominenten abzuhören. Sogar die Angehörigen entführter Kinder, von Terroropfern oder gefallener britischer Soldaten sollen Ziel dieser Ausspähungen gewesen sein. Als Konsequenz wurde das vor 168 Jahren gegründete Boulevardblatt kürzlich eingestellt. Murdoch, der angeblich bereits an einem neuen Sonntagsblatt bastelt, hat in britischen Medien inzwischen eine große "Sorry"-Kampagne gestartet, um sich öffentlich für die Vorfälle zu entschuldigen. Brooks muss nach Reuters-Informationen Ende Oktober wieder auf einem Londoner Polizeirevier erscheinen.

Polizeichef Paul Stephenson begründete seinen Rücktritt im britischen Fernsehen unter anderem mit den bevorstehenden Olympischen Spielen 2012 in London. Er wolle verhindern, dass die Kritik an seiner Person die Sicherheitsvorkehrungen für die Sommerspiele beeinträchtige. Stephenson wird angekreidet, Journalisten gegen Schmiergeldzahlungen mit vertraulichen Informationen versorgt zu haben. Zuvor war bekannt geworden, dass sich Stephenson einen Kuraufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen. Brisant: Der PR-Chef des Kurunternehmens war früher als Journalist bei "News of the World" tätig. Zudem soll die Polizei Vorwürfen gegen Reporter von "News of the World" nicht mit letzter Konsequenz nachgegangen sein.

Laut britischen Medienberichten wird der britische Premierminister David Cameron seine Afrikareise aufgrund des Abhörskandals von ursprünglich vier auf zwei Tage verkürzen. Wie der "Guardian" berichtet, will sich Cameron in die Ermittlungen einschalten. Laut "Financial Times" will er zudem Vorwürfe abwehren, dass er sich während des Skandals nicht im Lande aufhalte.

Angesichts der Ausweitung des Skandals wird für Murdoch die Luft allmählich immer dünner. In einem Interview mit dem „Observer" fordert Oppositionschef Ed Miliband eine deutliche Verschärfung der Gesetze zur Medienkonzentration. Die Marktmacht Murdochs sei „gefährlich", sagte der Labour-Politiker. Dieser habe zu viel Macht über das öffentliche Leben in Großbritannien. Murdochs News Corp hält laut Medienberichten einen Anteil von 37 Prozent am britischen Zeitungsmarkt. Darüber hinaus ist Murdoch mit 39 Prozent am TV- und Telekommunikationskonzern BSkyB beteiligt. mas
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