Abhör-Affäre: Neue Beweise belasten James Murdoch

Mittwoch, 17. August 2011
Rupert und James Murdoch vor dem Ausschuss des britischen Parlaments (Screenshot: BBC)
Rupert und James Murdoch vor dem Ausschuss des britischen Parlaments (Screenshot: BBC)

In der Abhör-Affäre in Großbritannien gerät News-Corp-Europachef James Murdoch immer stärker unter Druck: Neue Hinweise legen nahe, dass der Sohn von Medienmogul und News-Corp-Chef Rupert Murdoch mehr über die illegalen Vorgänge bei der Skandalzeitung "News of the World" wusste, als er bislang zugegeben hat. Womöglich muss Murdoch Junior daher erneut vor einem Untersuchungsausschuss erscheinen. Die neuen brisanten Details gehen aus einem Brief des ehemaligen "News of the World"-Reporters Clive Goodman hervor, der der Tageszeitung "The Guardian" vorliegt. Goodman war wegen illegaler Abhörmethoden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nach seiner Entlassung 2007 beklagte er sich in dem Brief über seine Kündigung. Das illegale Abhören sei in "voller Kenntnis und mit voller Unterstützung" der News-of-the-World-Führung erfolgt, schreibt Goodman. Die Abhöraktionen seien in den Redaktionssitzungen breit diskutiert worden.

Diese Aussagen untergraben die bisherige Verteidigungsstrategie von Rupert und James Murdoch. Die Chefs des Medienkonzerns hatten die Abhöraktionen als eigenmächtige Aktionen einzelner Mitarbeiter dargestellt, von denen sie keine Kenntnis hatten. Auch der frühere Chefredakteur der "News of the World" Colin Myler und der ehemalige News-Corp-Anwalt Tom Crone haben bereits Zweifel an dieder Version geäußert.

"Clive Goodmans Brief beseitigt News Internationals Verteidigung vollständig. Das ist eine der größten Vertuschungen, die ich je erlebt habe", sagte der Labour-Abgeordnete Tom Watson. Der Brief sei "absolut verheerend". Die Abgeordneten des britischen Unterhauses wollen James Murdoch nun womöglich erneut befragen. Die Luft für den bislang als Kronprinz von Rupert Murdoch gehandelten Manager wird dünner. dh
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