Abfindungen für alle: "Berliner Zeitung" beschleunigt Personalabbau

Freitag, 04. Dezember 2009
Geschäftsführer Oliver Rohloff bestätigt: Mitarbeitern werden Abfindungsangebote gemacht
Geschäftsführer Oliver Rohloff bestätigt: Mitarbeitern werden Abfindungsangebote gemacht

Die Heuschrecke ist weg, aber der Kahlschlag geht weiter. Die "Berliner Zeitung", Berlins größte Abonnementzeitung, will Personal abbauen. Der Berliner Verlag hat „allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereit sind, aus dem Unternehmen auszuscheiden, ein freiwilliges Abfindungsangebot unterbreitet", bestätigt Oliver Rohloff, Geschäftsführer des Berliner Verlags, gegenüber HORIZONT.NET. Als Grund nennt er den „starken Einbruch der Anzeigenerlöse in der gesamten Verlagsbranche", von dem auch das Presse- und Medienhaus Berlin, zu dem Berliner Verlag und „Berliner Zeitung" (BLZ) gehören, betroffen ist.

Bereits im August gab das Haus M. DuMont Schauberg (MDS), das den Berliner Verlag zum Jahresbeginn übernommen hatte, interne Umstrukturierungen bekannt: Die „Berliner Zeitung" und die ebenfalls zu MDS gehörende "Frankfurter Rundschau" (FR) sollten enger kooperieren, hieß es. Während Berlin künftig den Politik- und Medienteil übernimmt, ist Frankfurt für Wissenschaft und Wirtschaft zuständig. Diese Zusammenlegung der Ressorts bedeutet jedoch auch, dass weniger Angestellte gebraucht werden. Noch unter dem vorherigen Eigentümer, dem britischen Investor David Montgomery, hatten sich die Mitarbeiter erbittert gegen Stellenstreichungen gewehrt - sie fürchteten einen Qualitätsverlust der Hauptstadtzeitung. Die „BLZ" ist nicht die erste Redaktion, der unter dem neuen Eigentümer Stellenabbau droht. Die ebenfalls von Montgomery übernommene „Netzeitung" löst M. DuMont Schauberg aus wirtschaftlichen Gründen zum Jahresende sogar komplett auf.

Erst Anfang 2009 hatte der Medienkonzern neben „Netzeitung" und „Berliner Zeitung" auch „Berliner Kurier", „Hamburger Morgenpost" sowie das Berliner Stadtmagazin „Tip" von Montgomerys britischer Mecom-Gruppe übernommen, die als Finanzinvestor und damit als Heuschrecke galt. Mecom hatte die „Berliner Zeitung" 2005 gekauft, nachdem das Bundeskartellamt die Übernahme durch die Georg-von-Holtzbrinck-Gruppe untersagt hatte. Da Holtzbrinck bereits im Besitz des „Tagesspiegels" war, hätte der Konzern nach dem Kauf der „BLZ" eine marktbeherrschende Rolle auf dem Berliner Tageszeitungsmarkt innegehabt, so das Kartellamt.

Zurück aus Frankfurt: Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Berliner Zeitung"
Zurück aus Frankfurt: Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Berliner Zeitung"
Die Übernahme durch MDS war Grund genug für den ehemaligen Chefredakteur Uwe Vorkötter, auf seinen alten Posten bei der „Berliner Zeitung" zurückzukehren. 2006 war er zur „FR" gewechselt, da es immer wieder zu Unstimmigkeiten mit Montgomery gekommen war. Vorkötter löste bei der „BLZ" den von der Mecom-Gruppe eingesetzten Josef Depenbrock ab, der als Chefredakteur und Geschäftsführer fungierte. Bei der „FR" wurde unter der Leitung Vorkötters die Anzahl der Lokalteile verringert und erstmals bei einer deutschen Tageszeitung flächendeckend das Tabloid-Format eingeführt. Auch der Abbau von Stellen, den Vorkötter zuvor bei Montgomery noch stark kritisiert hatte, setzte er während seiner Zeit als Chefredakteur bei der „FR" durch. Nun scheint es der „Berliner Zeitung" ähnlich zu ergehen: Zwar ist der hochgeachtete Chefredakteur zurück, allerdings folgt dieser freudigen Nachricht der Schock in Form von Abfindungsverträgen. Sara Weber
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