ARD/ZDF-Online-Studie: Internet wird zum Leitmedium der Jugend

Freitag, 01. August 2008
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Das Internet hat das Fernsehen bei den jungen Nutzern als Leitmedium abgelöst. Laut der Online-Studie von ARD und ZDF verbringen 14- bis 19-Jährige täglich 102 Minuten im Netz. Auf die Fernsehnutzung entfallen täglich 100 Minuten, auf das Radio 97 Minuten. Besonders attraktiv für Jugendliche sind multimediale Anwendungen und hier vor allem Videos im Netz: 92 Prozent der Jugendlichen rufen Videos ab und schauen live oder zeitversetzt Fernsehsendungen im Netz. Auch in der Gesamtheit der Internet-Anwender ist das Interesse an Bewegtbildern deutlich angestiegen: von 45 Prozent 2007 auf 55 Prozent 2008. Bei den Erwachsenen steigt die Internetnutzung ebenfalls: Während der durchschnittliche Nutzer 2007 noch 54 Minuten online war, verbringt aktuell jeder Erwachsene 58 Minuten im Netz. Die Nutzung von Fernsehen und Radio bleibt bei den Erwachsenen aber auf hohem Niveau stabil. Die TV-Nutzung lag im 1. Halbjahr 2007 laut GfK bei 225 Minuten, Radionutzung bei 186 Minuten (MA 2008/I). Das heißt: Der Medienkonsum steigt weiter an, das Internet ist auf Platz 3 der tagesaktuellen Medien fest etabliert.

ARD und ZDF sehen sich durch die Studie in ihren Internet-Aktivitäten bestärkt: "Die Studie bestätigt, dass wir der zunehmenden Individualisierung des Medienkonsums Rechnung tragen und unsere linearen Sendungen auch thematisch sortiert anbieten müssen", sagt der Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission und Intendant des Hessischen Rundfunks, Helmut Reitze. "Die Menschen wollen, dass wir unsere hochwertigen Inhalte multimedial aufbereiten und zeitunabhängig im Internet zur Verfügung stellen."

Auch ZDF-Indentant Markus Schächter betont die Bedeutung des Internet gerade für die jungen Nutzer: "Die Nutzungsgewohnheiten, insbesondere die der jüngeren Zuschauer, befinden sich im Wandel. Ohne ein attraktives Online-Angebot wird das ZDF jüngere Zuschauer mittelfristig nicht mehr erreichen können."

Die Online-Aktivitäten der öffentlich-Rechtlichen sind umstritten. Vor allem private Verlage plädieren für enge Regeln und ein Verbot von presseähnlichen Angeboten von ARD und ZDF im Internet.

Die Analyse der Daten aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2008 ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Media Perspektiven" (7/2008) dokumentiert, und die Artikel sind unter www.ard-zdf-onlinestudie.de abrufbar. Innerhalb der bundesweiten Repräsentativstudie wurden im März / April dieses Jahres 1.802 Erwachsene in Deutschland befragt. dh

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