ARD und ZDF präzisieren Bewegtbild-Angebot an Verlage

Freitag, 25. Januar 2008
ARD-Stratege Fritz Raff betont die Bereitschaft zur Zusammenarbeit
ARD-Stratege Fritz Raff betont die Bereitschaft zur Zusammenarbeit

Die Debatte um die Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender im Internet spitzt sich zu: Auf der einen Seite formulieren ARD und ZDF immer konkretere Vorstellungen darüber, inwieweit sie die Sites von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen mit gebührenfinanzierten Bewegtbildern beliefern können und möchten. Auf der anderen Seite droht der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) indirekt mit einer Diskussion darüber, auch privatwirtschaftliche Nachrichtensites an den Gebühreneinnahmen zu beteiligen. "Wenn der Gesetzgeber eine quasi öffentlich-rechtliche Pressegrundversorgung auch im Internet will, dann könnten dies vor allem und schon jetzt auch die Verlage leisten. Aber dann müssten wir auch über das Finanzierungsmodell reden", sagte Christoph Fiedler, Leiter Europa- und Medienpolitik beim VDZ, auf einer Diskussionsveranstaltung des Deutschen IPTV-Verbandes in Hamburg. Besser sei es jedoch, so Fiedler, wenn sich ARD und ZDF im Internet auf rein programmbegleitende Angebote beschränkten, anstatt als eigenständige Pressemedien den Onlineversionen von Zeitschriften und Zeitungen gebührensubventionierte Konkurrenz zu machen.

"Viele Verlage haben die Bedeutung von Bewegtbildern im Internet zu spät erkannt und klopfen jetzt bei uns an, um mit unserem Nachrichtenmaterial ihre Websites am liebsten kostenlos aufzumöbeln", kontert der ARD-Vorsitzende Fritz Raff. ARD und ZDF seien zur Zusammenarbeit bereit und prüften bereits konkrete Modelle; allerdings seien dabei etliche wettbewerbs- und urheberrechtliche Hürden zu nehmen.

ZDF-Justiziar Carl-Eugen Eberle nennt eine Möglichkeit, öffentlich-rechtliche Bewegtbilder privaten Website-Betreibern kostenlos zur Verfügung zu stellen - per Verlinkung auf die Filme, für die sich dann eigene Fenster öffnen. Allerdings wollen sich ARD und ZDF ihre Zustimmung im Einzelfall vorbehalten: "Wir müssen darauf achten, in welchen Umfeldern unsere Bilder laufen, damit unsere Nachrichten- und Sendermarken keinen Schaden nehmen", sagt Eberle. Inwieweit die Site-Betreiber die Filme werbevermarkten dürften, sei indes unklar.

ARD-Chef Raff wehrt sich zudem gegen den Eindruck, die öffentlich-rechtlichen Sender würden auch im Internet im Geld schwimmen. "Die wachsenden Auslieferungskosten der Streams sind eines unserer größten Probleme", klagt Raff mit Blick auf steigende Abrufzahlen: "Erfolg kostet Geld." In einigen Fällen habe man Angebote bereits begrenzen müssen. Offenbar fühlt sich Raff beim Investieren ins Internet behindert - sowohl durch die bisherige Obergrenze, nur 0,75 Prozent des Gesamtaufwands für Online ausgeben zu dürfen, als auch durch "enorme Verteilungskämpfe" in den Rundfunkanstalten selber: "Wir haben ein Problem in unseren Strukturen, das Geld dorthin zu lenken, wo es gebraucht wird."

Nach eigenen Angaben liegt das Online-Budget der ARD bei 45 Millionen Euro jährlich, das des ZDF bei 12 Millionen Euro. Beträge, von denen die Nachrichtensites der Verlage noch nicht einmal zu träumen wagen.
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