ARD lehnt Drei-Stufen-Test für die "Tageswebschau" ab

Dienstag, 05. Juni 2012
Die "Tageswebschau" ist über ARD-Portale wie Tagesschau.de abrufbar
Die "Tageswebschau" ist über ARD-Portale wie Tagesschau.de abrufbar


Die Reflexe sitzen: Kaum ist die "Tageswebschau" der ARD online, attackiert der Privatsenderverband VPRT das neue Angebot. Via "Handelsblatt" fordert der Branchenverband einen Drei-Stufen-Test für das harmlose Online-Nachrichtenangebot für junge Zuschauer. Bei der ARD hält man einen Drei-Stufen-Test dagegen für nicht notwendig. Seit Montag ist die "Tageswebschau" über die Website der regulären "Tagesschau" abrufbar. Außerdem werden die rund zweieinhalbminütigen Folgen auf den digitalen Kanälen Tagesschau24, EinsPlus und EinsFestival ausgestrahlt und sind auf den Online-Seiten der jungen Radios der ARD verfügbar. Ein halbes Jahr lang will die ARD speziell auf jungen Nutzer zugeschnittene Angebot testen. Auch inhaltlich bemüht sich die "Tageswebschau" um eine junge und internetaffine Perspektive auf Politik, Wirtschaft und Kultur. In der ersten Ausgabe vom Montag, 4. Juni ging es um die neuen Nutzungsbedingungen bei Facebook, die weltgrößte Gaming-Messe E3 und ein von der Occupy-Bewegung veröffentlichtes Musikalbum. Produziert wird die "Tageswebschau" von Radio Bremen (Inhalte) und dem Hessischen Rundfunk (Grafiken), die Abnahme erfolgt durch die beim NDR angesiedelte Redaktion von ARD-Aktuell.

Obwohl die "Tageswebschau" explizit als zeitlich begrenzter Testlauf angekündigt wurde, fordert der VPRT nun einen sogenannten Drei-Stufen-Test für das Angebot. Der Test soll klären ob neue öffentlich-rechtliche Angebote mit dem Auftrag der Rundfunkanstalten vereinbar sind und ob sie womöglich zu einer Marktverzerrung führen. "Wir fordern einen Drei-Stufen-Test für die Tageswebschau, um zu prüfen, ob das neue Angebot legitim ist. Außerdem werden dadurch die Kosten für den Gebührenzahler transparent", begründet VPRT-Geschäftsführer Claus Grewenig den Vorstoß des Lobbyverbands.

Der Privatsenderverband stört sich vor allem daran, dass die ARD immer wieder neue Angebote quasi durch die Hintertür einführt, indem sie diese entweder als Testlauf deklariertent oder bestehende Sender umwidmet: "Es gibt einen perfiden Legitimationsmechanismus", beklagt Grewenig. "Mit einem neuen Nachrichtenkanal wie 'Tagesschau24' werden dann immer neue Online-Informationsangebote gerechtfertigt."

Bei der ARD sieht man dagegen keine Notwendigkeit für einen gesonderten Drei-Stufen-Test: "Die 'Tageswebschau ist kein neues Online-Angebot, sondern Bestandteil bestehender Telemedienangebote", teilt Radio Bremen auf Anfrage mit. "Der Sendungsbezug ist eindeutig gegeben, weshalb lediglich ein 'kleines' Telemedienkonzept erstellt werden muss." Einer Überprüfung durch den Rundfunkrat bedürfe es dabei nicht. dh
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