ARD kritisiert Kartellamtsentscheidung zu Bundesliga-Rechten

Montag, 16. Januar 2012
Monika Piel: "Nicht im Interesse der Zuschauerinnen und Zuschauer"
Monika Piel: "Nicht im Interesse der Zuschauerinnen und Zuschauer"


Die Web-Player dürften jubeln, bei der ARD hingegen knirschen die Zähne. Nachdem das Bundeskartellamt am vergangenen Freitag Grünes Licht für die Ausschreibung der Medienrechte der Fußball-Bundesliga gegeben hatte, meldete sich die ARD-Vorsitzende Monika Piel zu Wort. Man bedauere die Entscheidung der Behörde, heißt es aus dem Sender, der nun um seine "Sportschau" fürchtet.
Die Ausschreibung durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) sieht zwei Verwertungszenarien für die Highlight-Berichterstattung vor: Das erste Szenario entspricht weitestgehend der derzeitigen Verwertungskette. Im zweiten Szenario würden erste Bilder von den Spielen zunächst im Web gezeigt und erst ab 21.45 Uhr im Free-TV - das würde für die ARD-"Sportschau" das Aus bedeuten. "Diese Entscheidung ist nicht im Sinne der Zuschauerinnen und Zuschauer", schimpft Piel. "Denn sie birgt die Gefahr, dass die DFL mit einer Erstausstrahlung von Bildern des Bundesliga-Spieltages im Netz einen großen Teil des Publikums ausschließt. Besonders in ländlichen Gebieten ist für viele das Internet kein Ersatz für das Fernsehen, weil dort dem Web-TV häufig die notwendigen Empfangsmöglichkeiten fehlen." ARD-Sportintendant Ulrich Wilhelm stimmt in die Kritik ein und fordert die Vereine und die DFL dazu auf, "bei der Vergabe darauf zu achten, dass der Bundesliga-Fußball auch weiterhin eine Verbreitung erfährt, die seiner gesellschaftlichen Bedeutung und Verantwortung gerecht wird."

Piels Kritik droht allerdings zum Bumerang zu werden. Die ARD stand im vergangenen Jahr mit ihrer Programm- und Unternehmens-Politik mehrfach in der Schusslinie von Verlagen und Verbraucherschützern. Insbesondere die überwiegend textbasierten Internetseiten sowie die "Tagesschau"-App, Spekulationen über eine Erhöhung der GEZ-Gebühr sowie ein millionenschwerer Deal mit dem Boxstall Sauerland sorgten für Unmut. Dass der Sender nun die Verschärfung des Wettbewerbs bei der Bundesliga-Rechtvergabe anprangere, zeuge von Doppelmoral, ätzt ätzt etwa die "Welt": "Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist eine kauzige Einrichtung. Finanziert werden ARD und ZDF über Zwangsgebühren, die von einer eigenen Exekutive („GEZ“) eingetrieben werden. Über das Ergebnis wird spätestens dann debattiert, wenn im Ersten und Zweiten wieder einmal zeitgleich Volksmusik zur besten Sendezeit kommt. Abgewürgt wird die Diskussion meist mit dem Hinweis auf das Recht zur freien Programmgestaltung."

Die Nervosität bei der ARD habe laut "Welt" vielmehr finanzielle Gründe: "Das „Erste“ fürchtet wohl eher, in Zukunft für die 100 Millionen Euro, die derzeit für die Rechte an der ersten Zusammenfassung gezahlt werden, nichts mehr zu bekommen. Dass Firmen wie Google, Yahoo oder Großverlage in das Bieterrennen einsteigen werden, scheint die ARD zu verschrecken, die bisher unter dem Schutz des Kartellamtes ein gemütliches Dasein führte." ire
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