ARD-Vorsitzender Boudgoust erteilt radikaler Verjüngung des Ersten eine Absage

Freitag, 02. Januar 2009
Boudgoust will jüngere Mitarbeiter zum Zug kommen lassen
Boudgoust will jüngere Mitarbeiter zum Zug kommen lassen

Der seit Jahresbeginn amtierende ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust will jüngere Zielgruppen vor allem über die Profilierung der Digitalkanäle Eins Festival und Eins Plus an die ARD binden. Radikalen Schnitten im ARD-Gemeinschaftsprogramm Das Erste, vor allem in der Top-Sendezeit um 20:15 Uhr, erteilt er im HORIZONT-Interview eine klare Absage. „In der Prime Time irgendwelche Programmexperimente vorzunehmen, wäre das Dümmste, was wir tun können. Wir können und werden das Erste nicht einfach zum Jugendprogramm machen." Im Schnitt erreicht das Vollprogramnm Das Erste lediglich 5 Prozent der unter 30-jährigen Zuschauer und überlässt das Feld damit weitgehend den privaten Sendern. Boudgoust hofft nun auf Eins Festival und Eins Plus, um über die Spartensender neue Zuschauer an das Erste heranzuführen. „Wir wollen die Digitalkanäle als Experimentierfelder nutzen und jüngere Mitarbeiter zum Zug kommen lassen. Wenn man junge Menschen erreichen will, funktioniert das am Besten, in dem man zeigt, was sie bewegt", sagt Boudgoust, der auch Intendant des Südwestrundfunks (SWR) ist.

Im Ersten erhofft sich Boudgoust, der den Vorsitz von Fritz Raff, dem Intendanten des Saarländischen Rundfunks, übernommen hat, eine Verjüngung der Zuschauer vor allem durch die neue tägliche Vorabendserie mit dem Arbeitstitel „Made in Germany", die am 20. April auf dem Sendeplatz um 18:50 Uhr starten soll. Auch vom Format „Kuttners Kleinanzeigen" soll es 2009 eine neue Staffel geben. Die derzeit geplanten zwei Folgen werden am 22. und 29. März um 23.35 Uhr ausgestrahlt.

Die besten Chancen jüngere Zuschauer zu erreichen, sieht Boudgoust im Internet. Was die öffentlich-rechtlichen Sender im Netz dürfen und was nicht, regelt der 12. Rundfunkänderungsstaatvertrag, der zum 1. Mai 2009 in Kraft treten soll und noch von den Länderparlamenten abgesegnet werden muss. Er sieht unter anderem einen Drei-Stufen-Test vor, den alle Internetangebote der ARD durchlaufen müssen. Laut Boudgoust handelt es sich um eine zweistellige Zahl an Projekten, die bis 31. August 2010 geprüft werden müssen. Dabei entwickelt jede der neun ARD-Anstalten ein eigenes Prüfverfahren.

Die Ankündigung der Zeitschriftenverleger den Rechtsweg zu beschreiten, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender Angebote erstellen, die mehr als nur sendungsbegleitend sind, hält Boudgoust „für unangebracht. Wir werden uns ohne Wenn und Aber an die gesetzlichen Vorgaben halten." pap

Das ganze Interview lesen Sie in HORIZONT 1-2/2009 vom 8. Januar 2009
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