ARD-Vorsitzender Boudgoust: "Keine wundersame Geldvermehrung"

Donnerstag, 17. Juni 2010
Boudgoust spart
Boudgoust spart

Der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Peter Boudgoust weist Berechnungen, nach denen die Anstalten ab 2013 deutlich mehr Geld bekommen könnten, zurück. Verschiedene Medien hatten ausgerechnet, dass die öffentlich-rechtlichen Sender durch die Umstellung von einer geräteabhängigen Gebühr zu einer Haushaltsabgabe zu Mehreinnahmen von einer Milliarde Euro kommen könnten. "Ich bin schon ein wenig erstaunt darüber, mit welcher Treffsicherheit manch einer meint, finanzielle Prognosen treffen zu können", sagt Boudgoust im Interview mit der "Frankfurter Rundschau". "Der Umstieg wird für uns eher plus-minus Null ausfallen". 2009 erhielten ARD, ZDF und Deutschlandradio von der GEZ in Köln rund 7,3 Milliarden Euro für ihre Programme. Die eine Milliarde Euro, auf die zum Beispiel "Bild" kommt, käme nur zusammmen, wenn alle 40 Millionen Haushalte in Deutschland zahlen würden.

Es soll für Haushalte mit geringen Einkommen jedoch weiterhin Befreiungen geben. "Und selbst wenn es mehr werden sollte, wird die Gebührenkommission KEF das in ihren Berechnungen auffangen", so Boudgoust. Die KEF soll im Auftrag der Länder in ihrem 19. Bericht, der Ende 2013 erscheint, berücksichtigen, wie sich das veränderte Modell auf die Einnahmen auswirkt. Sie soll zudem ausrechnen, was ein Werbeverbot auf ARD und ZDF für die Einnahmesituation der Sender bedeuten würde. Erst dann soll die Gebühr von derzeit 17,98 Euro im Monat gegebenenfalls angepasst werden. "Es wird keine wundersame Geldvermehrung geben", ist Boudgoust deshalb überzeugt.

Die ARD-Anstalten stellen sich zumindest auf geringere Einnahmen ein. In den vergangenen Monaten haben mehrere Intendanten, darunter von RBB und NDR, Sparprogramme angekündigt. "Wir haben alle ernsthafte finanzielle Probleme", sagt Bodugoust. Das erkläre auch, warum die Bereitschaft großer Sender, schwächere Sender zu unterstützen, sinkt. "Die Zeit der großen Gesten, als große Sender den kleinen einfach Geld gaben, ist vorbei." pap
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