ARD-Talkshows: MDR-Rundfunkräte schließen sich Kritik des WDR an

Mittwoch, 18. Juli 2012
Auch der MDR-Rundfunkrat sieht die Vielzahl der Talkshows kritisch
Auch der MDR-Rundfunkrat sieht die Vielzahl der Talkshows kritisch
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Die ARD-Talkmaster bekommen weiter Gegenwind aus den eigenen Reihen: Nach dem Rundfunkrat des WDR haben auch die Rundfunkräte des Mitteldeutschen Rundfunks MDR kritisch zur Talkschiene im Ersten geäußert. Außerdem fordert das Gremium ein gemeinsames öffentlich-rechtliches Angebot für junge Zuschauer. Zur Erinnerung: Das Aufsichtsgremium des WDR hatte im April ein "Zuviel des Immergleichen" in den fünf Talkshows im Ersten bemängelt und eine Reduzierung der Talksendungen gefordert. Die Rundfunkräte des MDR haben bei ihrer Tagung in Leipzig am Mittwoch beschlossen, sich der Stellungnahme ihrer westdeutschen Kollegen anzuschließen. In den kommenden Monaten sollen sich nun die Gremien der Landesrundfunkanstalten mit den Talkshows von Jauch & Co. befassen und die Beratungsergebnisse in einer gemeinsamen Stellungnahme der Gremienvorsitzendenkonferenz zusammenfassen. Bis dahin hätten die Intendanten Zeit, "auf Anregungen und Kritik zu reagieren". Ende 2013 laufen die Verträge  mit den Talkmastern aus - spätestens dann wollen die Gremien zu einer gemeinsamen Position finden.

Außerdem berieten die MDR-Rundfunkräte über ein öffentlich-rechtliches Angebot für junge Zuschauer. In einem Beschluss stellt das Gremium fest, "dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk und somit auch die ARD sich stärker bemühen müssen, junge Altersgruppen im linearen Fernsehen zu erreichen". Als Ideallösung schwebt dem Rundfunkrat ein gemeinsames Angebot von ARD und ZDF nach dem Vorbild des Kinderkanals Kika vor: "Deshalb erwarten wir, dass ARD und ZDF einen gemeinsamen trimedialen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal für die Zielgruppe ab 14 Jahre starten", heißt es in dem Beschluss.

Sollte ein gemeinsamer Sender mit dem ZDF nicht möglich sein, empfiehlt das Gremium "dass die ARD einen eigenen Jugendkanal startet", der "attraktive Angebote der jeweiligen Landesrundfunkanstalten bündelt".

Wie man wieder mehr junge Zuschauer für die ARD gewinnt, ist innnerhalb der ARD umstritten: Während einige Rundfunkanstalten wie der SWR und der MDR einen eigenen Jugendkanal favorisieren, lehnt WDR-Intendatin Monika Piel einen eigenen Jugendsender bislang ab. Nach ihrer Vorstellung sollen die bestehenden Angebote der ARD für junge Zuschauer wie beispielsweise die Internetportale von Radiosendern wie 1Live oder You FM ausgebaut werden. Den Rundfunkräten wird die Arbeit also so schnell nicht ausgehen. dh
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