ARD: Schäuble-Tochter Christine Strobl soll Degeto-Chefin werden

Dienstag, 06. März 2012
Christine Strobl soll Degeto-Chefin werden
Christine Strobl soll Degeto-Chefin werden

Die ARD verpasst ihrer Filmeinkaufsorganisation Degeto eine neue Führungsorganisation. Nach der Affäre um den früheren Co-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan erhält die Degeto künftig zwei Geschäftsführer. Einen dieser Chefposten soll Christine Strobl, die Tochter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, erhalten. Die 40-jährige Christine Strobl soll nach den Vorstellungen von rbb-Intendantin Dagmar Reim neue Inhalte-Geschäftsführerin der Degeto werden. Damit würde die derzeitige Fernsehspielchefin des Südwestrundfunks (SWR) die Nachfolge von Bettina Reitz antreten. Die 49-Jährige wechselt im Juni als Fernsehdirektorin zum Bayerischen Rundfunk. Der Degeto-Aufsichtsrat hat dem Vorschlag Reims bereits zugestimmt. Jetzt muss nur noch die Gesellschafterversammlung grünes Licht geben.

Als künftige Inhalte-Geschäftsführerin hätte Strobl wohl deutlich mehr zu sagen als ihre Vorgängerin Reitz. Die neue Organisationsstruktur sieht vor, dass der für Inhalte zuständige Geschäftsführer in Personalunion als Sprecher der Degeto-Geschäftsführung agiert. In den Verantwortungsbereich des zweiten Geschäftsführers fallen künftig die Bereiche Finanzen und Verwaltung. Dieser Posten wird derzeit interimistisch von Kurt Bellmann, dem Leiter des beim NDR angesiedelten KEF-Büros der ARD, wahrgenommen und soll ebenfalls neu besetzt werden.

Der frühere Degeto-Chef Hans-Wolfgang Jurgan war im November 2011 mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden worden. Eine Prüfung der Geschäftsabläufe durch KPMG und die WDR-Revision hatte "gravierende organisatorische Mängel" bei der ARD-Tochter ergeben. Jurgan hatte das Budget 2010 und 2011 deutlich überzogen. Dadurch war die Degeto gezwungen, neue Produktionsaufträge drastisch zu reduzieren, die ARD musste die finanzielle Lücke schließen. Aus dem KPMG-Abschlussbericht ging letztlich aber hervor, dass sich Jurgan nicht strafbar gemacht hat. Daher wurde er Ende 2011 mit weißer Weste in den Ruhestand verabschiedet. mas
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