ARD-Programmausschuss kritisiert die eigenen Talkshows

Dienstag, 12. Juni 2012
Die Talkmaster der ARD stehen in der Kritik
Die Talkmaster der ARD stehen in der Kritik
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ARD Talkshow Programmausschuß



Die Kritik an den fünf Talkshows der ARD reißt nicht ab. Der Programmausschuss der ARD geht in einem Papier hart mit Jauch, Plasberg & Co. ins Gericht und bemängelt unter anderem die Themen- und die Gästeauswahl in den Sendungen. Hier gebe es nach wie vor Defizite. Alle Sendungen seien unpolitischer geworden. "An dem Auftreten von Dauergästen hat sich bislang nichts Wesentliches geändert, ebenso an der Unterrepräsentation von Frauen und jungen Menschen In den Gästerunden", heißt es in einer Tischvorlage des ARD-Programmausschusses, die Bild.de gestern veröffentlicht hat. Das Gremium, das unter anderem die Programmqualität überwacht, fordert von den Redaktionen, nicht nur prominente Gäste einzuladen oder solche deren "Unterhaltungswert" sicher sei, sondern auch "Gäste, die über Fachwissen verfügen".

Auch die "Gästedatenbank", die die Abstimmung der Redaktionen erleichtern sollte, erfülle ihren Zweck nicht in ausreichendem Maß. "Es besteht hingegen der Eindruck, dass die Redaktionen ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen", konstatiert der Ausschuss. Das Ziel, Dopplungen bei der Themen- und Gästeauswahl zu vermeiden, werde derzeit nicht erreicht.

Auch die Themenauswahl kritisiert der Programmausschuss. Alle Sendungen seien unpolitischer geworden. Das führe dazu, "dass wichtige, gesellschaftliche relevante Themen, die komplex und erklärungsbedürftig sind, nicht behandelt werden". Tatsächlich war in letzter Zeit ein verstärkter Trend zu weichen Themen wie Gesundheit und Ernährung erkennbar. Insgesamt müssten sich die einzelnen Talkformate "stärker profilieren und klar unterscheidbare Konzeptionen entwickeln", fordern die Rundfunkräte. Die Stärken der Moderatoren müssten deutlicher zur Geltung kommen.

Bemerkenswert ist zudem, dass der Programmausschuss auch die Produktion der Talkshows durch externe Firmen in Frage stellt, "statt sie ARD-intern zu produzieren und damit auf die eigenen Kompetenzen und Fachredaktionen zurückzugreifen". Fast alle Talkmaster der ARD produzieren ihre Sendungen mit eigenen Firmen selbst und verdienen somit an der Produktion mit.

Insgesamt müsse man die Talksendungen der ARD weiter kontinuierlich beobachten, mahnt der Programmausschuss. Ein Freibrief für Jauch & Co ist dies allerdings nicht: Vor dem Hintergrund der Vielzahl an Talkshows müsse man die Anzahl der ARD-Talkshows "immer wieder überdenken", mahnen die Programmaufseher. dh
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