ARD-Intendant Voß denkt laut über Werbeverzicht nach

Dienstag, 24. Januar 2006

SWR-Intendant Peter Voß hält einen werbefreien öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf längere Sicht für erwägenswert. Man müsse das legitime Interesse der werbenden Wirtschaft an den Zielgruppen auch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks langfristig gegen die Situation der kommerziellen Medien, vor allem der Printmedien, abwägen, sagte Voß. Wenn sich die Wirtschaft nicht dauerhaft erhole und kräftig wachse und damit auch die Werbebudgets zunähmen, müsse man sich vor allem um den Zeitungsmarkt Sorgen machen. "Voraussetzung für eine solche Abwägung ist aber, dass der Einnahmeausfall durch die Rundfunkgebühren aufgefangen wird und deren Festsetzung wieder nach dem verfassungsgemäßen, unabhängigen Verfahren erfolgt", meinte Voß. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (KEF) hatte gestern festgestellt, dass die Rundfunkgebühr bei einem Verzicht auf Werbung und Sponsoring um 1,42 € monatlich steigen müßte.

Er könne sich allerdings nur schwer vorstellen, dass die 16 Länder hier zu einer klaren Haltung fänden, die sich nicht einseitig zu Lasten von ARD und ZDF auswirke, meinte der SWR-Intendant. Den jüngsten Vorstoß des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Beck nannte Voß gleichwohl interessant: "Wenn nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sichergestellt ist, dass die Gebühren sich am tatsächlichen Finanzbedarf des Rundfunks orientieren und nicht politischer Willkür ausgesetzt sind, könnte ein Werbeverzicht auch zur Schärfung des öffentlich-rechtlichen Profils beitragen." nr



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