ARD-Chefredakteur Baumann weist Kritik an Talkshows zurück

Dienstag, 17. April 2012
Zuviel des Gleichen? Die Talkmaster der ARD (Foto: ARD/Grob)
Zuviel des Gleichen? Die Talkmaster der ARD (Foto: ARD/Grob)


Die Gremlins haben wieder zugebissen: Der WDR-Rundfunkrat fordert eine Reduzierung der Talkshows im Ersten. Es gebe ein "Zuviel des Gleichen", bemängelt das WDR-Aufsichtsgremium und bringt eine Rotation mehrerer Sendungen auf einem Programmplatz ins Spiel. ARD-Chefredakteur Thomas Baumann weist die Kritik zurück. In seiner Sitzung am Montag hat der Rundfunkrat des WDR eine entsprechenden Stellungnahme verabschiedet: "Der WDR-Rundfunkrat empfiehlt, die Talkleiste in dieser Form nicht dauerhaft fortzuführen und wünscht sich im Ergebnis eine konsequente Reduzierung der Talksendungen", teilt die Rundfunkrats-Vorsitzende Ruth Hieronymi mit.  "Eine Möglichkeit der Realisierung wäre über wöchentliche Wechsel von Sendungen auf einem Sendeplatz nachzudenken, wie es beispielsweise bei den Politmagazinen seit Jahren erfolgreich praktiziert wird", schlägt die Vorsitzende des Programmausschusses, Petra Kammerevert, vor. Bei der Sichtung der entsprechenden Programme zu Anfang des Jahres sei man auf ein Zuviel des Gleichen gestoßen - immer wieder sei es um Wulff und Gauck gegangen.

Der ARD-Chefredakteur Thomas Baumann will die Kritik so nicht gelten lassen: "Diese Sichtweise erscheint mir sehr wenig differenziert zu sein und sehr stark auf selektiver Wahrnehmung zu beruhen", kontert Baumann. Der Fall Wulff sei ein in der Geschichte der Bundesrepublik einmaliger Vorgang gewesen, die es "eindeutig gerechtfertigt" habe, das Thema in mehreren Sendungen aufzugreifen. Weiterhin listet Baumann penibel die Sendungen auf, in denen es nicht um tagesaktuelle Themen ging. Auch den Vorschlag, verschiedene Talksendungen auf einem Sendeplatz im Wechsel auszustrahlen, sieht der Chefredakteur skeptisch: "Bei den Gesprächssendungen prägen Köpfe das Programm. Diese Wirkung droht zu verpuffen, wenn man an der Frequenz unserer Sendungen herumschrauben würde."

Zudem hätten vier der fünf Talkshows ihre Zuschauerzahlen seit der Einführung des neuen Programmschemas im vergangenen Herbst ihre Zuschauerzahlen steigern können. Allein "Beckmann" bereitet dem Ersten derzeit Sorgen, der auf dem Sendeplatz am Donnerstag gegen die ZDF-Talker Maybritt Illner und Markus Lanz meist den Kürzeren zieht. dh
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