AGOF-Reform: Was sich an den Internet Facts ändert

Montag, 21. Juni 2010
Agof-Geschäftsführerin Dubrau will präzise Abbildung sichern
Agof-Geschäftsführerin Dubrau will präzise Abbildung sichern

Die Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (AGOF) hat ihre Reichweitenstudie grundlegend überarbeitet. In der Internet Facts 2010/I sowie der MA 2010 Online I der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA), die am Donnerstag erscheinen, kommen die Neuerungen erstmals zum Tragen. „Die Reform war nötig, um auch weiterhin eine korrekte und präzise Abbildung der Nutzungsrealität zu gewährleisten", begründet Agof-Geschäftsführerin Claudia Dubrau. So wurde analog zu anderen MA-Studien der AG.MA auch in der MA Online und der Internet Facts die Grundgesamtheit ausgeweitet. Neben Deutschen werden künftig EU-Ausländer und weitere deutschsprachige Ausländer ab dem Alter von 14 Jahren berücksichtigt. Die Zahl der Onliner steigt damit von 43,5 Millionen auf rund 48 Millionen an.

Zudem hat die Agof festgestellt, dass gerade die ausländische Bevölkerung in Deutschland das Internet sehr intensiv nutzt. „Damit weitet sich das Nutzungspotenzial der Internet Facts deutlich aus", ergänzt Dubrau.

Darüber hinaus wurde die Definition der so genannten Multi-Client-User angepasst. Darunter sind Nutzer zu verstehen, die über unterschiedliche Rechner an verschiedenen Orten mit teilweise unterschiedlichen Nutzungsprofilen ins Internet gehen. Während die Agof bisher bei einem Multi-Client-User maximal nur zwei Rechner erfasst hat, werden in Zukunft bis zu vier Rechner beziehungsweise Browser berücksichtigt. „Ob im Büro, zuhause, unterwegs oder bei Freunden - die User greifen von immer mehr Geräten auf das Internet zu. Diese Evolution im Internetnutzungsverhalten wollen wir künftig besser abbilden", erläutert Dubrau. Im Zuge der Neudefinition steigt der Anteil der Multi-Client-User in der Reichweitenstudie von 37 Prozent auf rund 75 Prozent.

Die dritte Veränderung der Internet Facts betrifft die Telefonbefragungswelle. In der Internet Facts 2010/I wird eine neue Telefonbefragungswelle verwendet, so genannte Computer Assisted Telephone Interviews (Cati). Hier hat sich gezeigt, dass die Internetnutzerschaft noch weiter gestiegen ist. Inzwischen surfen rund 75,5 Prozent der Gesamtbevölkerung im Web.

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Die Agof bastelt auch an den Mobile Facts
Die Agof bastelt auch an den Mobile Facts
Die genannten Neuerungen in der Studie führen durchschnittlich über alle Online-Angebote hinweg zu einem Anstieg der Netto-Reichweite. Aufgrund der Anpassungen lassen sich die Zahlen der kommenden Internet Facts und MA Online nicht mit früheren Ausweisungen vergleichen. Bei Missachtung behält sich die Agof Berichtigungsansprüche vor. Damit will sie verhindern, dass Vermarkter unberechtigte Jubelmeldungen über angebliche Reichweitensteigerungen hinausposaunen, wie dies beispielsweise bei der Umstellung der MA Radio jüngst der Fall war.

Mit den aktuellen Veränderungen ist die Reform der Internet Facts aber noch längst nicht abgeschlossen. Die Agof hat derzeit mehrere Projekte in der Pipeline. Am weitesten vorangeschritten ist die Arbeit an den Mobile Facts, die die Reichweite von mobilen Angeboten ausweisen soll. Derzeit erfolgt die Erhebung, erste Studiendaten sollen zur Online-Messe Dmexco 2010 im September veröffentlicht werden. Langfristiges Ziel ist es, die Mobile Facts wie die Internet Facts quartalsweise herauszubringen. „Anfangs wird das jedoch nicht zu schaffen sein, da noch einige Optimierungen nötig sind", räumt Dubrau ein.

Noch nicht ganz so weit fortgeschritten ist die Entwicklung spezifischer Leistungswerte für Social Media. Hierzu wurde jüngst ein Modell zur Qualifizierung der Nutzeraktivitäten entwickelt. Auch Ad Networks sollen möglichst bald abgebildet werden. Derzeit befindet sich die Agof hier in der Testphase.

Eine Dauerbaustelle der Arbeitsgemeinschaft ist außerdem die Verfeinerung der Leistungswerte. So ist die Page Impression (PI) zusammen mit der IVW neu definiert worden. Während unter einer PI bisher der Kontakt eines Users auf einer Website zu verstehen war, soll in Zukunft eine PI für den Kontakt auf einer potenziell werbeführenden Seite stehen. Diese neue PI-Definition wird parallel mit der Einführung zeitbezogener Leistungswerte umgesetzt werden. Auch zeitbezogene Leistungswerte will die Agof in Zukunft ausweisen, was besonders für Streaming-Inhalte wichtig ist. Derzeit wird geprüft, wie sich dies technisch umsetzen lässt. Wann eine erste Ausweisung möglich ist, steht noch nicht fest. bn
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