3D-Experiment: "Bild" zeigt sich innovativ, aber inhaltlich flach

Montag, 30. August 2010
Auf dem Cover der 3D-"Bild": Verteidigungsminister vor Kampfjet
Auf dem Cover der 3D-"Bild": Verteidigungsminister vor Kampfjet

Eine komplette Ausgabe in 3D, das ist der Beitrag der "Bild"-Zeitung zum aktuellen Trend. Nicht nur der redaktionelle Teil, auch Anzeigen und Fernsehprogramm wurden am vergangenen Samstag in 3D abgedruckt. Parallel zum gedruckten Blatt zeigte sich auch Bild.de in 3D-Optik. Für Werbekunden eine gute Möglichkeit, ihre Produkte anschaulicher als sonst zu präsentieren. Florian von Heintze, stellvertretender Chefredakteur der "Bild", kommentiert auf Seite zwei die Ausgabe mit folgenden Worten: "Die 3D-'Bild' ist ein (vorerst) einmaliges Erlebnis. Aber so haben viele große Neuerungen begonnen. Wer weiß, was die Zukunft bringt…"

Eine der größten Überraschungen bietet das Titelbild: Statt eines leichtbekleideten "Bild"-Girls blickt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von der ersten Seite der Sonderausgabe – ganzseitig, posierend vor einem Kampfjet der Bundeswehr. Im Innenteil zeigt Angela Merkel ihren Schreibtisch, Michelle Hunziker ihre neue Liebe und Wolfgang Joop sein Zuhause. 3D ist aber nicht nur Aufmachung, sondern auch Thema: "Bild" erklärt, wie die Technik funktioniert und welche Geräte es bereits gibt, es wird zurückgeblickt auf die Geschichte des 3D-Films und „Avatar“-Regisseur James Cameron gibt sich im Interview fasziniert von der "Bild"-Sonderausgabe. Alles keine aktuellen Geschichten, sondern solche, die gut vorbereitet werden konnten, inklusive großflächiger Bebilderung.

Selbst im Sportteil stößt man auf Artikel mit geringem Aktualitätsgrad: Turner Fabian Hambüchen zeigt, wo er trainiert, Boxer Wladimir Klitschko präsentiert seine Fäuste in 3D und es wird an die schönsten Sportmomente aller Zeiten – vom Wunder von Bern bis zur Hand Gottes – erinnert. Lediglich die Berichte über das Freitags-Bundesligaspiel, die verschütteten Grubenarbeiter in Chile sowie die Unwetterlage in Deutschland sind aktuell und dennoch groß bebildert. Weitere Nachrichten werden in der Meldungssparte und meist ohne Bilder abgehandelt. Dies ist verständlich, schließlich muss eine solche Sonderausgabe ja auch vorbereitet werden, aber trotzdem ein wenig schade.

Online steht vor allem das Thema Sport im Vordergrund
Online steht vor allem das Thema Sport im Vordergrund
Online wird das Thema mit vielen Videos weitergeführt: Neben Sportthemen wie Boxen und Formel 1 gibt es auch Filmchen mit Blondine Daniela Katzenberger sowie diverse Kinotrailer. Die crossmediale Verknüpfung ist gelungen, viele Themen aus dem Heft sind auch online zu sehen und noch mit Fotogalerien sowie Bewegtbildern angereichert.

Für Werbekunden bietet das 3D-Umfeld gute Möglichkeiten zur Präsentation: So bewirbt Media Markt doppelseitig ein ganzes 3D-Paket mit Fernseher, Playstation und DVD, die Filmfirmen Touchstone und Universal nutzen die Gelegenheit, um ihre neuesten 3D-Kinofilme passend in Szene zu setzen. Weitere Anzeigenkunden der Ausgabe sind VW, Mannmobilia, Ferrero, Sky und die "Sportschau".

Insgesamt ist die 3D-Ausgabe eine innovative Idee, die auch gut umgesetzt wurde. Besonders das Zusammenspiel von Print und Online ist sehr gut gelungen. Inhaltliche Schwächen sind wohl der Technik geschuldigt und damit entschuldbar, auch wenn ein wenig mehr Aktualität wünschenswert gewesen wäre. Besonders reizvoll ist die Sonderausgabe für Werbekunden, die ihre Produkte anschaulicher als sonst zu präsentieren. Einziger Nachteil: Durch die 3D-Technik ist die Ausgabe leider extrem anstrengend zu lesen und die Alltagstauglichkeit damit eher nicht gewährleistet. sw
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