30 Jahre Hitler-Tagebücher: Wie die Medien an die "Jahrhundertfälschung" erinnern

Freitag, 05. April 2013
Gerd Heidemann mit den vermeintlichen "Hitler-Tagebüchern" (Foto: ZDF/ddp images/AP)
Gerd Heidemann mit den vermeintlichen "Hitler-Tagebüchern" (Foto: ZDF/ddp images/AP)


Vor 30 Jahren erschütterte der größte Medienskandal in der Geschichte der Bundesrepublik die Nation. Der Kunstfälscher Konrad Kujau hatte dem "Stern" die vermeintlichen Tagebücher von Adolf Hitler untergejubelt. Doch die Sensation wurde für das Flaggschiff von Gruner + Jahr zum größten Debakel seiner Geschichte. Darüberhinaus warf der Skandal ein grelles Schlaglicht auf die unheimliche Faszination des Nationalsozialismus und seiner zentralen Akteure auch auf die nachfolgenden Generationen. Anlässlich des 30. Jahrestages des Skandals thematisieren unter anderem "Die Zeit" und das ZDF den Skandal um die "Jahrhundertfälschung".
Die aktuelle Ausgabe der "Zeit"
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"Die Zeit" kann zum 30. Jahrestag des Medienskandals um die gefälschten Tagebücher mit einem echten Coup aufwarten: Dem "Tagebuch der Tagebücher" des ehemaligen "Stern"-Chefredakteurs Felix Schmidt. Schmidt schrieb kurz nach seinem Rücktritt 1983 seine Erinnerungen an den Skandal auf Anraten des damaligen "Zeit"-Chefredakteurs Theo Sommer auf. Der Leser erfährt damit aus erster Hand, wie der damalige Star-Reporter Gerd Heidemann Gruner + Jahr dazu brachte, über 9 Millionen D-Mark für die Tagebücher zu bezahlen und die Verantwortlichen angesichts der vermeintlichen Sensation alle Bedenken zur Seite wischten. Zwei der damals drei Chefredakteure des "Stern" - außer Schmidt musste auch Peter Koch seinen Hut nehmen - kostete der Skandal den Job. 30 Jahre nach dem Skandal macht Schmidt seine Aufzeichnungen nun erstmals öffentlich.

Auch das ZDF rollt die Geschichte der gefälschten Hitler-Tagebücher noch einmal neu auf: Jörg Müller konnte für seinen Film unter anderem auf bislang unveröffentlichte Tonbandaufnahmen zugreifen, die Telefonate des "Stern"-Reporters Heidemann mit Konrad Kujau dokumentieren. Heidemann, die zentrale Figur des Skandals, gab dem ZDF außerdem ein ausführliches Interview, in dem er sich immer noch als Sündenbock des Skandals darstellt. Ein besonderer Höhepunkt des Films: Schauspieler Christoph-Maria Herbst, unter anderem bekannt für seine Hitler-Satiren, liest besonders groteske Passagen aus den gefälschten Tagebüchern und führt den Zuschauern noch einmal den ganzen Irrwitz des bislang größten Medienskandals in der Geschichte der Bundesrepublik vor Augen. Das ZDF zeigt "Die Jahrhundertfälschung - Hitlers Tagebücher" am kommenden Dienstag, 9. April um 20.15 Uhr. dh
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