20 Jahre GZSZ: Warum die Zuschauer ihre tägliche Dosis Drama lieben

Mittwoch, 23. Mai 2012
Die Schauspieler jubeln über 5000 Folgen "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"
Die Schauspieler jubeln über 5000 Folgen "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"
Themenseiten zu diesem Artikel:

RTL GZSZ Fernsehschirm Lindenstraße Dosis UFA Deutschland



Am heutigen Mittwoch flimmert die 5000. Folge von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" über den Fernsehschirm. Damit ist die Daily Soap von RTL die am längsten laufende tägliche Serie im deutschen Fernsehen und nach wie vor eines der wichtigsten Zugpferde von RTL. Doch wie schafft es die Serie nach 20 Jahren immer noch, regelmäßig ein Millionenpublikum vor dem Fernseher zu versammeln? Ein Erklärungsversuch.

Das geliebte Alltagsritual

Vieles hat sich seit dem Start der Serie vor mittlerweile 20 Jahren geändert, auf eines aber war von Anfang an Verlass: Jeden Werktag von 19.40 bis 20.15 Uhr heißt es bei RTL: "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Kaum eine andere Sendung im deutschen Privatfernsehen läuft bereits seit so langer Zeit auf ein und demselben Sendeplatz. Ähnlich wie bei der "Tagesschau" und dem "Tatort" ist der Sendeplatz von "GZSZ" damit inzwischen bei Millionen Zuschauern fest im Kopf und in ihrem Fernsehverhalten verankert. In einer Fernsehlandschaft, in der viele Serien bereits nach wenigen Folgen wieder von der Bildfläche verschwinden, ist "GZSZ" damit eine der wenigen Konstanten im Programm - mit entsprechend positiven Folgen für die Programmbindung der Zuschauer.

Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die Scharnierfunktion von "GSZS" zwischen den Vorabendprogramm und der Primetime: Die Serie sorgt an der Schnittstelle zur Hauptsendezeit zuverlässig für einen optimalen Audience Flow und schaufelt RTL jeden Tag zuverlässig zahlreiche Zuschauer in die Primetime.

Identifikation und Alltagsflucht

Typisches Kennzeichen der meisten Daily Soaps ist ihr großes Identifikationspotenzial. Im Gegensatz zu Hochglanzserien, die den Zuschauer in fremde Welten oder Milieus entführen, sind Daily Soaps in der Regel nah dran an der Lebenswirklichkeit ihrer Zuschauer. Das gilt für die Mutter aller industriell produzierten deutschen Serien, die "Lindenstraße" genauso wie für den ARD-Klassiker "Verbotene Liebe" und eben "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Die Figurenensemble ist in der Regel zum einen ein typischer Querschnitt durch die Gesellschaft, zum anderen gibt es aber immer auch ein paar Exoten, die für die nötige Würze sorgen: Sei es der reiche Geschäftsmann, die intrigante Chefin oder der kriminelle Nachbar.

Für viele Zuschauer wird das Ensemble mit der Zeit auch zu einer Art Ersatzfamilie oder Freundeskreis. Gerade bei lang laufenden Serien, die viele Zuschauer über Jahre hinweg verfolgen, kann man als Zuschauer zudem die Entwicklung der Figuren über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen - sich aber im Gegensatz zum eigenen zuweilen anstrengenden Familienleben entspannt zurücklehnen. Soaps wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" bieten somit entspannte Alltagsflucht und die tägliche Dosis Drama zugleich.

Illusion vom Fließband

Zum Erfolg von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" trägt zu einem großen Teil natürlich auch die über die Jahre immer weiter perfektionierte Fließbandproduktion bei. Vorreiter der industriellen Serienproduktion in Deutschland war zwar die "Lindenstraße" - "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" hat das Prinzip der kostengünstigen TV-Fließbandproduktion aber perfektioniert.
Jeden Tag dreht die Produktionsfirma Grundy UFA 25 Minuten sendefähiges Material - bei normalen Serien sind es im Schnitt acht Minuten. Hinter den Kulissen sorgt eine gut geölte Produktionsmaschinerie für den täglichen Output. Bis zu zehn Regisseure beschäftigt Grundy UFA, die jeweils Blöcke von fünf Folgen verantworten. Bis zu 25 Folgen befinden sich vom Dreh über den Schnitt bis zur Vertonung und der Abnahme zeitgleich in der Produktion, damit die Serie jeden Werktag über die Bildschirme flimmern kann. 2005 gründete die Foirma sogar die Grudy UFA-Serienschule, um selbst Nachwuchs-Autoren für die Fließbandproduktion auszubilden.

Trotz des immensen Aufwands ist die Produktion von Daily Soaps immer noch vergleichsweise kostengünstig. Gerade einmal 70.000 bis 80.000 Euro kostet die Produktion einer Folge Schätzungen zufolge. Bei zwei Werbeinseln mit bis zu 24 Spots pro Folge spielt damit jede Folge locker ein Vielfaches der Produktionskosten wieder ein. Nicht umsonst wurde "GZSZ" schon mehrfach als die Cash Cow von RTL bezeichnet.

Damit war "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" auch ein Vorreiter eines Produktionsprinzips, dass die Privatsender immer weiter auszureizen versuchen: Wie kann man bei möglichst geringen Produktionskosten möglichst viele Zuschauer vor die Glotze locken? Damit war GZSZ nicht nur ein Vorreiter im Bereich der Daily Soaps, sondern auch ein Türöffner für die viel gescholtenen Scripted Reality-Formate, mit denen RTL heute seine Daytime bestreitet. dh
Meist gelesen
stats