Thomas Port, SevenOne Media

Thomas Port, SevenOne Media

Thomas Port Wie AdBlock-Unternehmen am Lebensnerv der Digitalbranche bohren

Donnerstag, 16. Januar 2014

"Hochgradig unseriös", "verlogen", "mafiös" und "erpresserisch" - Thomas Port hat nicht viel übrig für Anbieter von Adblockern. Der Geschäftsführer Digital bei SevenOne Media erinnert in seiner Kolumne für HORIZONT.NET daran, dass Werbeblocker die Geschäftsgrundlage der gesamten Branche infrage stellen und appelliert daher an alle Player, das Thema schleunigst wieder auf die Agenda zu setzen. Große Themen für 2014? Da schrillt bei mir sofort der AdBlocker-Alarm. Ein echter Aufreger auch schon im letzten Jahr, der allerdings nur die Haltbarkeitsdauer eines Sommerlochfüllers hatte. Die Entrüstung war groß, aber kurz.

Thomas Port: Was mich bei AdBlockern aber wirklich auf die Palme bringt, ist nicht die Nutzung an sich, sondern deren Missbrauch für unseriöse Geschäftemacherei. “
Vollkommen unverständlich, trifft das Thema doch direkt den Lebensnerv der Branche. Besonders schmerzlich wird er vom Anti-Werbe-Tool Adblock Plus angebohrt. Aktuell setzen ungefähr ein Viertel der User großer Nachrichtenportale AdBlocker ein, bei Technik-Portalen liegt der Anteil deutlich höher. Im Gaming-Umfeld blenden bis zu 50 Prozent der Anwender Werbung aus. Ausgehend von einer durchschnittlichen Block-Rate von 25 Prozent und Bruttowerbespendings in Höhe von 3 Milliarden im Jahr 2013 (Nielsen), gingen der deutschen Online-Wirtschaft Werbeinvestitionen in Höhe von ca. 750 Millionen Euro brutto verloren. Bares Geld, das nicht nur fehlt, um digitale Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, sondern dessen Wegfall insbesondere die Redaktionen bedroht, die frei zugänglichen, hochwertigen Content produzieren.

Weiße Listen von schwarzen Schafen

Was mich bei AdBlockern aber wirklich auf die Palme bringt, ist nicht die Nutzung an sich, sondern deren Missbrauch für unseriöse Geschäftemacherei. Das Angebot für bereits geschädigte Webseiten klingt verlockend: Werbeauslieferung gegen Bares. Oh pardon, gegen freiwillige finanzielle Unterstützung . Mit Qualitätsoffensive zugunsten des Users hat das herzlich wenig zu tun. Da gibt es Wölfe im Schafspelz. Während sie bei den Usern stolz einen AdBlocker als die Rettung vor nerviger Werbung im Internet promoten, halten dieselben Schlauberger hinter dem Rücken die Hand auf: Wer brav seinen Obolus entrichtet, hat schnell wieder freien Durchmarsch zum User. Trotz installiertem Blocker erscheint dessen Werbung auf dem Bildschirm vermeintlich sorgsam selektiert.

Ein verlogenes Geschäftsmodell: Den Usern vorzugaukeln, sie von Werbung zu verschonen, um dann gleichzeitig über eine freiwillige Zwangsabgabe an eben dieser Werbung mitzuverdienen das ist hochgradig unseriös. In diesem Kontext muss man sich auch fragen, wie Suchwerbung des Monopolisten Google nicht geblockt wird. Vielleicht gibt es ja technische Probleme.

Powered by Schutzgeld 2.0

Wohl nicht zu Unrecht wird diesen zwielichtigen Weißwäschern ein mafiöses Geschäftsgebaren unterstellt, und ist die Whitelist längst als schnödes Erpressungswerkzeug entlarvt. Allerdings nur innerhalb der Blogger-Szene und unter Digitalexperten. Auch wenn sich viele Branchenkollegen dazu öffentlich ungern äußern wollen, die Problematik hat nicht an Brisanz verloren. Eines der drängendsten Probleme des Jahres 2013 wurde nicht gelöst und sollte daher für 2014 schleunigst auf die Agenda zurück und zwar mit nachhaltiger Wirkung.

Was der Onlinemarkt mehr denn je braucht, ist ehrliche Aufklärung und ein sorgfältiger Umgang mit Werbung. Die besten Argumente dafür sind eine sinnvolle Einbettung der Ads in den redaktionellen Content statt plumper Störung des Nutzers, kreative und gut sichtbare Motive statt nerviger, stumpfer Bannerfluten. Schluss mit Pipifax-Kleinanzeigen. Die Herausforderung besteht doch darin, jeden einzelnen User für die Werbung zu gewinnen, statt in die Verweigerung zu treiben.

Die Diskussion sollte unbedingt weitergeführt werden, um den unseriösen Angeboten der digitalen Türsteher den Garaus zu machen. Anstatt Geld an AdBlocker weiterzureichen, sollten wir es einsetzen, um die Online-Nutzer über die Auswirkungen ihrer Werbeverweigerung aufzuklären und die Attraktivität von Werbung im Netz zu erhöhen. Beispielsweise indem wir uns auf qualitativ hochwertige Werbeformen fokussieren. Dann haben unseriöse Möchtegern-Gatekeeper mit ihrem Teufelswerkzeug keine Chance!

Thomas Port ist Geschäftsführer Digital bei SevenOne Media
HORIZONT Newsletter Vor 9 Newsletter

Als Erster informiert sein? Ja, klar!

 


Meist gelesen
stats