Ulrike Simon

Ulrike Simon

Springer macht den Trump Alles great, oder was?

Mittwoch, 02. August 2017
Bei dem Berliner Medienkonzern läuft alles great. Fast alles. Denn „Bild“ gibt Anlass zur Sorge. Einem möglichen Erwerb des Senders Sport 1 erteilt Vorstandschef Mathias Döpfner eine Absage.

Das Beste an den Bilanzveröffentlichungen der Axel Springer SE sind die Videos, die das Unternehmen dazu ins Netz stellt. Wie sich Vorstandschef Mathias Döpfner und Finanzvorstand Julian Deutz darin um Eindruck und Spontaneität bemühen, wie sie sich gegenseitig auf Englisch Geschäftszahlen abfragen und von den Ergebnissen beeindruckt zeigen, das alles hat großen Unterhaltungswert.
Neunmal schaffen sie es diesmal auf einer Länge von 2 Minuten und 36 Sekunden, das Wörtchen „great“ unterzubringen. Der Umsatz im Detail, der Gewinn insgesamt, der Verkaufserlös für die Berliner Immobilie, der Blick in die Zukunft: alles „great“. Vielleicht liegt es an Donald Trump, dass man auf dieses Adjektiv besonders konditioniert ist, aber um es Trump nicht auch in Sachen Glaubwürdigkeit gleichzutun, fragt Döpfner Deutz dann doch, ob es denn nicht irgendetwas gebe, was nicht ganz so „great“ laufe? Doch, da gebe es etwas: die „Bild“-Auflage. Um zehn Prozent sinkt sie aktuell. Der Verfall scheint kein Ende zu nehmen. Das sei eine schwierige Entwicklung, die ihm Sorge bereite, sagt Deutz, denn noch immer erwirtschafte Springer ein Drittel seines Geschäfts mit Print. Der Rest ist digital, und das läuft zwischen ideal, sehr gut und perfekt. „Great“ vor allem: das Rubrikengeschäft. Es ist das profitabelste Segment und gehöre, wie Döpfner bei der Telefonkonferenz am Mittwoch betonte, wie der Journalismus zum Kerngeschäft des Konzerns: Beides liefere „wichtige Informationen und Unterstützung bei relevanten Lebensentscheidungen, beispielsweise dabei, einen Job oder eine neue Wohnung zu finden“.

Im Vordergrund der Halbjahresbilanz stand diesmal das Vermarktungsgeschäft. Hier wächst der Umsatz eindrucksvoll, nicht das Ebitda. Grund sei „das herausfordernde Marktumfeld“ bei der Reichweitenvermarktung. Die Rendite sank von 11,2 auf neun Prozent.
Blick auf die Axel-Springer-Zentrale
© Axel Springer

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Nun kündigt Springer an, die Tochterfirma Awin (vormals Zanox) mit Affilinet von United Internet zu fusionieren. An der neuen Gesellschaft Awin AG wird Springer 80 Prozent, United Internet 20 Prozent halten. Ein Börsengang ist geplant, zu Zeitpunkt und  Konditionen äußerte sich Döpfner jedoch nicht. Die Vereinbarung zum Zusammenschluss wurde erst am Dienstag unterzeichnet und steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung.

Die Awin AG liefert als europäischer Marktführer die digitale Infrastruktur, um möglichst effizient Werbungtreibende und Werbeträger zusammenzubringen. Zuletzt erwirtschaftete Awin einen Umsatz von 567 und ein Ebitda von 25,5 Millionen Euro, Affilinet einen Umsatz von 151 und ein Ebitda von knapp fünf Millionen Euro.

Eine verständlicherweise verklausulierte, aber doch klare Absage erteilte Döpfner einem möglichen Erwerb des zu Constantin Medien gehörenden Senders Sport 1. Interesse am Sport als Kernkompetenz von „Bild“ gebe es zwar immer, sagte der Vorstandschef. „Aber nach bisherigen Erkenntnissen ist Sport 1 für uns keine Priorität“, und, nein, „es gibt keine Gespräche“. Die FAZ hatte zuletzt berichtet, Springer verhandle exklusiv. Sollte es zu keiner Einigung kommen, stünde aber Sky und Freenet bereit. Für die in eine Schieflage geratene Constantin Medien sei die Transaktion existenziell, es handle sich also um einen Notverkauf.

Zurück zu „Bild“. Die Bezahlangebote als drittes Geschäftsfeld in der Springer-Bilanz zeigten dank digitaler Geschäftsmodelle eine positive Tendenz, sagte Döpfner. Damit meinte er insbesondere das umsatzstarke „Business Insider“, dessen Break-even für 2018 zu erwarten sei, dasselbe gilt für Politico. Weitere Akquisitionen seien denkbar, nicht jedoch Gedrucktes: „Printmedien stehen für uns nicht auf der langfristigen Akquisitionsliste“. Hier gelte es, die Ertragslage möglichst stabil zu halten. Bei „Bild“ half dabei die zum 65. Geburtstag der Zeitung erschienene „Bild für alle“. Sie habe das beste Vermarktungsergebnis in der Geschichte des Blattes erbracht. Nur liegt der USP von „Bild für alle“ eben in ihrer Einmaligkeit. Häufiger als einmal jährlich lässt sich der Erfolg nicht wiederholen. Döpfner hofft, dass sich auch  2018 wieder ein außergewöhnlicher Anlass findet. usi
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