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"Spiegel Daily" Warum das Konzept der digitalen Tagesschau aufgehen könnte

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Seit Mittwoch erscheint "Spiegel Daily", die laut Eigenwerbung "smarte Abendzeitung" des Spiegel-Verlags. Die lange Vorbereitungsphase hat sich gelohnt: Konzept, Layout und Inhalte - alles wirkt durchdacht, hochwertig und stimmig. Die große Frage ist: Finden Produkt und Zielgruppe zueinander? 
von David Hein, Donnerstag, 18. Mai 2017
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    Die Fakten sind bekannt: "Spiegel Daily" erscheint werktäglich jeweils um 17 Uhr und bietet eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Themen und Ereignisse des Tages. "Einmal am Tag die Welt anhalten" - so lautet der Anspruch, den die digitale Tageszeitung erfüllen soll. Die Zielgruppe sind "Leser, die einmal am Tag innehalten wollen, um sich zu informieren – kompakt und mit Tiefgang".  Journalistisch ist "Spiegel Daily" - wie nicht anders zu erwarten - über alle Zweifel erhaben. Das Konzept ist in sich stimmig, das magazinige Layout macht sogar Spaß, die Texte sind größtenteils kurzweilig. Für Leute, die es eilig haben, ist die Lesedauer angegeben. Die Navigation ist intuitiv, mithilfe des feststehenden Headers kann man schnell zwischen den einzelnen Rubriken hin und her springen. 

    Neben den wichtigsten Nachrichten des Tages ("News") gibt es Kommentare und Essays ("Meinung"), pro Tag eine größere Geschichte aus dem gedruckten "Spiegel" sowie Videos ("Stories"), eine Art Best-of aus den sozialen Medien ("Social"), ausgewählte Beiträge von Spiegel Online (etwas irreführend: "Panorama") und Tipps für den Feierabend ("Mein Abend") - in der Regel TV- und Buch-Empfehlungen. Kolumnen von (Branchen-)Promis und bekannten Autoren wie Harald Schmidt, Wettermann Jörg Kachelmann oder der Medienjournalistin Ulrike Simon sollen zusätzliche Lese- und Kaufanreize schaffen. 
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    Kompakt, aber mit Tiefgang - wenn man den selbst gesteckten Anspruch zum Bewertungsmaßstab macht, kann man konstatieren: Mission erfüllt. "Spiegel Daily" überzeugt und bereitet sogar Lesespaß - selten genug bei rein digitalen Produkten. Die entscheidende Frage, die sich bei Paid Content im Netz immer stellt, bleibt: Gibt es eine Zielgruppe, die bereit ist, dafür Geld auszugeben? 

    "Spiegel Daily" will vor allem Menschen ansprechen, die tagsüber keine Zeit oder keine Lust haben, sich permanent online auf dem laufenden zu halten. Mit dem Erscheinungszeitpunkt um 17 Uhr ist die Abendzeitung also vor allem für Pendler ideal, die sich auf dem Heimweg oder zu Hause noch einmal kompakt über die Ereignisse des Tages informieren möchten. Damit konkurriert "Spiegel Daily" was die Nutzungszeit angeht zum einen mit den großen Nachrichtensendungen am Abend - denen man allerdings mindestens zwei Stunden voraus ist - und den elektronischen Ausgaben der klassischen Tageszeitungen, die in der Regel bereits am Vorabend des Erscheinungstages verfügbar sind. Deren Abrufzahlen steigen seit Jahren kontinuierlich und tragen bei einigen Zeitungen mittlerweile einen nicht unerheblichen Teil zur verkauften Auflage bei. 

    Angeblich würden "Spiegel Daily" bereits fünstellige Verkaufszahlen ausreichen, um sich zu rechnen. Zum Vergleich: "Handelsblatt" und "Frankfurter Allgemeine" verzeichneten im 1. Quartal 2017 jeweils rund 40.000 verkaufte E-Paper, die "Süddeutsche Zeitung" sogar rund 55.000. Fünfstellige Verkaufszahlen liegen also durchaus im Rahmen des möglichen. Zumal bei einem monatlichen Abo-Preis von 7 Euro. dh
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