Marco Saal

Marco Saal

Rudi Völlers Ausraster Wie Sky-Reporter Sebastian Hellmann einen kühlen Kopf bewahrte

Montag, 22. Februar 2016
Die Bundesliga-Partie zwischen Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund war das Spitzenspiel des 22. Spieltages. Nach den Ereignissen, die sich während und nach der Partie am Spielfeldrand zutrugen, bleibt die Erkenntnis, dass die mit 0:1 unterlegene Werkself beileibe nicht der einzige Verlierer der Begegnung war. Vor allem Bayer-04-Trainer Roger Schmidt und Sportdirektor Rudi Völler zeigten sich von ihrer schlechtesten Seite. Auch Schiedsrichter Felix Zwayer machte eine unglückliche Figur. Einzig Sky-Reporter Sebastian Hellmann bewies einen kühlen Kopf - und zeigte, wie Journalisten mit pampigen Interviewpartnern umgehen sollten. 

Kann man einer einzigen Person den schwarzen Peter dafür zuschieben, dass das Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem BVB zum Kuriosum wurde? Eher nicht. Denn es gab gleich mehrere Beteiligte, die sich - gelinde gesagt - falsch verhalten haben. Angefangen bei Bayer-04-Trainer Roger Schmidt, der die Aufforderung von Schiedsrichter Felix Zwayer, die Coachingzone zu verlassen und auf der Tribüne Platz zu nehmen, schlicht ignorierte. Was falsch ist. Denn der Schiedsrichter muss und kann seine Entscheidungen nicht allen Beteiligten in einem persönlichen Gespräch erläutern. Punkt! Wo kämen wir da hin? Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich auch Schiedsrichter Felix Zwayer. Und zwar nicht in erster Linie deshalb, weil er einen berechtigten Strafstoß für Bayer 04 Leverkusen fälschlicherweise nicht gab. Mit der Entscheidung, das Spiel wegen der Verhaltens von Schmidt abzubrechen und die Mannschaften in die Kabine zu schicken, bewies er allerdings wenig Fingerspitzengefühl. Auch wenn sie regelkonform war - sie hat sicherlich zur späteren Eskalation beigetragen.
Womit wir beim Thema Rudi Völler wären - und dem "Interview", das er Sky-Reporter Sebastian Hellmann gegeben hat. Wer sich an die legendäre Wutrede von "Tante Käthe" erinnert, deren Opfer im Jahr 2003 Waldemar Hartmann wurde, der weiß, dass das Verhältnis des früheren Nationalstürmers und Bundestrainers mit den Medien schon immer nicht gerade unbelastet war. Auch wenn Völler angesichts des Spielverlaufs verständlicherweise geladen war: Die Art, wie sich das adrenalingeladene Alphamännchen gestern aufplusterte und Hellmann vor laufender Kamera anpampte, war eines Bundesliga-Managers unwürdig. Was hängen bleibt ist, dass Völler mit den Medien wohl niemals richtig warm wird. Und vor allem, dass er einfach nicht damit umgehen kann, wenn Journalisten kritische Fragen stellen.

Genau das hat Sebastian Hellmann getan. Der Sky-Reporter legte den Finger in die Wunde, stellte berechtigte Fragen, erteilte dem Bayer-04-Manager sogar Nachhilfe in Sachen Bundesliga-Reglement - und ließ sich selbst dann nicht aus der Ruhe bringen, als sein Gegenüber mit hochrotem Kopf laut wurde und versuchte, den Spieß umzudrehen und selbst die Fragen zu stellen. Damit ist Hellmann neben dem BVB wohl der einzige Beteiligte der Bundesliga-Posse, der nicht verloren, sondern gewonnen hat. mas
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