David Hein

David Hein

Pro Sieben Sat 1 / Axel Springer Warum eine Fusion mehr Sinn ergibt denn je

Dienstag, 07. Juli 2015
Pro Sieben Sat 1 und Axel Springer sprechen offenbar wieder über einen Zusammenschluss. Sollten sich die beiden MDAX-Konzerne einig werden und die Kartellbehörden der Elefantenhochzeit grünes Licht erteilen, würde ein neuer deutscher Medienriese entstehen. Strategisch wäre ein Zusammenschluss mittlerweile noch zwingender als bei der geplatzten Übernahme vor zehn Jahren - und auch die Voraussetzungen dürften heute besser sein als damals.

Zehn Jahre sind im Mediengeschäft eine kleine Ewigkeit. Axel Springer hat sich mittlerweile von einem Großteil seines Printgeschäfts getrennt und ist auf dem besten Weg zu einem digitalen Medienkonzern mit angeschlossenem Verlagsbereich. Auch Pro Sieben Sat 1 erzielt mittlerweile einen nicht unbeträchtlichen Anteil seines Umsatzes mit digitalen Aktivitäten. Erst kürzlich hat der TV-Konzern mit der Übernahme des Verbraucherportals Verivox die größte Akquisition in der Firmengeschichte gestemmt. Beide Konzerne drängen mit Macht in digitale Geschäftsbereiche und nehmen dafür viel Geld in die Hand. Im internationalen Maßstab sind Pro Sieben Sat 1 und Axel Springer mit einem Jahresumsatz von jeweils rund 3 Milliarden aber nach wie vor nur regionaler Mittelstand. Zum Vergleich: Die beiden größten Medienkonzerne der Welt, Comcast und Google, erzielten 2014 jeweils rund 50 Milliarden Euro Umsatz. Sowohl Pro-Sieben-Sat-1-Boss Thomas Ebeling als auch Springer-Chef Mathias Döpfner ist dies sehr wohl bewusst – beide haben sich in Interviews schon mehrfach kritisch über das wachsende Ungleichgewicht auch und gerade in der Medienregulierung geäußert.

Insofern wäre die Bündelung der Kräfte zumindest auf nationaler Ebene sinnvoll, wenn nicht fast schon zwingend. Die möglichen Synergie- und Wachstumseffekte gerade im Bereich des rasant wachsenden Bewegtbildmarktes im Internet wären enorm. Hier könnten Pro Sieben Sat 1 und Axel Springer mit vereinten Kräften tatsächlich einen starken Gegenpol zu den globalen Online-Giganten Google/Youtube und Facebook bilden.
Axel Springer Zentrale
© Axel Springer

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Bleibt die Frage, wie die deutschen Kartellbehörden die mögliche Markt- und Meinungsmacht eines nationalen Medienriesen bewerten. Die Chancen für ein positives Votum dürften anno 2015 indes besser stehen als vor zehn Jahren. Axel Springer hat sich nach der geplatzten Übernahme von Pro Sieben Sat 1 im Jahr 2005 durch alle Instanzen geklagt: Erst im vergangenen Jahr hatte das Bundesverwaltungsgericht die Entscheidung der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich KEK, die den Deal  damals platzen ließ, für rechtswidrig erklärt. Die Klage von Axel Springer gegen das Kartellamt, das die Fusion ebenfalls untersagt hatte, wurde allerdings 2010 vom Bundesgerichtshof in letzter Instanz abgewiesen.

Mittlerweile hat sich aber einiges getan: Axel Springer hat sich von einem großen Teil seiner Printtitel getrennt, Pro Sieben Sat 1 kann seinen Marktanteil im Zuschauermarkt nur dank einer Reihe neuer Spartensender stabil halten. Beide wachsen in erster Linie noch durch Zukäufe.

Die womöglich größten Hürden dürften dieses Mal die Machtverhältnisse innerhalb des neuen Konstrukts sein. Anders als vor zehn Jahren wäre Axel Springer bei einem Zusammenschluss der Junior-Partner. Der Börsenwert von Pro Sieben Sat 1 ist  aktuell mehr als doppelt so hoch wie der von Axel Springer. Wäre Friede Springer also bereit, bei einer Fusion Macht abzugeben?

Axel Springer sah sich angesichts der Spekulationen zu einer Stellungnahme genötigt, die einem solchen Szenario klar widerspricht: Man arbeitet an der Umwandlung der Rechtsform des Unternehmens mit dem Ziel, die Kontinuität der Kontrolle durch die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co./Friede Springer langfristig sicherzustellen. "Deswegen entbehren Spekulationen bezüglich der Abgabe dieser Kontrolle jeder Grundlage." dh
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