Christian Schlottau

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Nachruf auf Peter Kempf Anzeigengeneral mit natürlicher Autorität, badischer Ruhe und Fingerspitzengefühl

Montag, 20. November 2017
Peter Kempf ist gestorben. Die Nachricht vom Tode des langjährigen Axel-Springer-Vermarktungschefs und engagierten Branchenkopfes betrübt seit vergangener Woche die Verlagswelt. Sein Weggefährte Christian Schlottau verabschiedet sich mit einem persönlichen Nachruf.
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Peter Kempf Christian Schlottau Axel Springer


Kennengelernt haben wir uns 1990. Es herrschte gerade fleißiges Stühlerücken auf der Führungsetage des Jahreszeiten Verlags. Es hieß, der Burda-Mann Kempf komme als Verlagsleiter für Petra nach Hamburg.

Kaum im Haus, stieg er zum Geschäftsführer auf. Liebe auf den ersten Blick war es nicht zwischen Peter und mir: Hier der erfahrene Verlagsmanager und gestandene Anzeigenprofi, dort der junge, manchmal etwas ungestüme Tempo-Mann. Peter war es, der vergeblich versuchte, mich in eine Sitzung zurück zu holen, die ich empört verlassen hatte. Viel später verriet er mir, dass ihn diese Unabhängigkeit beeindruckt habe. Sie zählte für ihn zum Kern unserer späteren Freundschaft.

Die Medienbranche trauert um Peter Kempf
Die Medienbranche trauert um Peter Kempf (© ASV)
Beide verließen wir Mitte der 90er Jahre den Poßmoorweg. Ich wechselte über Umwege zum Spiegel-Verlag und Peter schnurstracks zu Axel Springer. Dort war er bis 2009 oberster Vermarktungschef. Mit seinem Fachwissen, seiner natürlichen Autorität und der hohen Wertschätzung von Kunden wie Wettbewerbern war Peter Kempf der letzte große "Anzeigengeneral" – in einer Reihe mit Vermarktungspersönlichkeiten wie Gunter Pratz, Lothar Nadler, Richard Stolz, Günter Schöttler und Heinz A. F. Bauer.

Wir trafen uns im Arbeitskreis Pressemarkt Anzeigen (PMA) des VDZ wieder. Er als Vertreter der großen Verlage, ich für das größte unter den kleineren Häusern. Auch hier gab es durchaus Interessenskonflikte und mentale Unterschiede. Aber eines einte uns: der Kampf für Print und Qualität, für Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Das lebte Peter auch in seiner langjährigen Funktion als Sprecher des PMA. Mit bewundernswerter Ruhe lenkte er die Geschicke dieses Gremiums, in dem ja die wichtigsten Wettbewerber an einem Tisch zusammensaßen. Von den Kollegen geschätzt, leitete er die Runde mit Fingerspitzengefühl und ausgeprägtem diplomatischen Geschick. Trotz der beruflichen Erfolge lief Peter nie Gefahr abzuheben. Seine badische Bodenständigkeit hat ihn sicher geerdet. Auch das machte ihn so sympathisch.

„Mit Peter Kempf ist nicht nur der letzte Anzeigengeneral, sondern ein wunderbarer Mensch gegangen.“
Christian Schlottau
Wir wurden Freunde. Die Familien fuhren zusammen in Urlaub. Wir trafen uns zum Essen in Hamburg-Volksdorf: Peter stand in seiner offenen Küche und kochte tolle Menus, die wir,  begleitet von schweren Roten aus Südafrika, am großen Holztisch genossen. Bei diesen Begegnungen wurde schnell deutlich, dass er ein Familienmensch und fürsorglicher Vater war. Sei es in der Sorge um seine Mutter in der fernen Heimat in Baden oder das nächste Fußballspiel der beiden Söhne. Peter konnte temperamentvoll sein, mit Witz und guter Laune vortrefflich unterhalten. Bei den zahlreichen gemeinsamen Golfrunden hingegen war er immer die Ruhe selbst. Wenn mein Schlag wieder einmal misslang, der Ball fern vom Loch landete, hörte ich aus der Tiefe des Raumes seine sonore Stimme: "Kein Grund kein Par zu spielen, Christian!" Nun wird Peter kein Par mehr spielen,  keine gemeinsamen Golfrunden mehr gehen.

Mit Peter Kempf ist nicht nur der letzte Anzeigengeneral, sondern ein wunderbarer Mensch gegangen. Es bleiben viele Erinnerungen und unser tiefes Mitgefühl für seine Frau, seine Kinder und seine Mutter. Christian Schlottau

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