Uwe Vorkötter

Uwe Vorkötter

Maschmeyer, ein Rufmord und die Medien Unser Informant, der notorische Lügner

Mittwoch, 16. August 2017
Carsten Maschmeyer und der AWD, das ist Geschichte. Jetzt wird ein Teil dieser Geschichte neu geschrieben. Im Mittelpunkt: ein charakterloser Rufmörder. Er fütterte die Medien mit Falschinformationen. Trotzdem wird ihm noch einmal die Bühne bereitet.

Erinnern Sie sich noch an Reiner Pfeiffer? Das war der Mann, der den SPD-Politiker Björn Engholm diskreditierte, der ihn beschatten ließ, der ihn anonym wegen Steuerhinterziehung anzeigte – die Barschel-Affäre, ein dunkles Kapitel deutscher Zeitgeschichte. Der Fall liegt 30 Jahre zurück.

Jetzt haben wir es erneut mit einer PR- und Medienaffäre dieser Dimension zu tun: Der Versicherungskaufmann Stefan Schabirosky hat für den AWD gearbeitet, wurde dort entlassen und schloss einen Vertrag mit dem großen Konkurrenten DVAG. Ziel sei es gewesen, den von Carsten Maschmeyer gegründeten AWD zu ruinieren. Sagt er. Er habe, so bezichtigt er sich selbst, eine Website mit Falschinformationen über den AWD gelauncht, er habe Journalisten von Süddeutscher Zeitung, NDR, Stern und anderen Medien mit Falschinformationen versorgt, er sei die treibende Kraft hinter der Anti-AWD-Kampagne gewesen. Dafür habe ihn die DVAG mit monatlich 6000 Euro entlohnt – und zusätzlich sollte er den "Jackpot" bekommen, falls es ihm gelinge, Maschmeyer "fertigzumachen". Als Maschmeyer sein Unternehmen an Swiss Life verkaufte, forderte er den Millionengewinn ein. Als die DVAG nicht zahlte, ging er zu Maschmeyer zurück und erzählte ihm seine Geschichte, in der Hoffnung, der werde nun die DVAG verklagen. Als Maschmeyer darauf nicht einstieg, schrieb er ein Buch. Das ist nun auf dem Markt.

Mit diesem Mann haben sich viele eingelassen. Die DVAG weist den Vorwurf entschieden zurück, sie habe den geplanten Rufmord an Maschmeyer finanziert. Aber einen Vertrag mit Schabirosky gab es, das ist unbestritten. Was war der Gegenstand? Irgendwas mit Controlling. Plausibel klingt das nicht. Die Medien von SZ bis Panorama beeilen sich mitzuteilen, dass sie sich natürlich nicht von Schabirosky haben instrumentalisieren lassen. Ja, man hat mit ihm gesprochen, aber er sei doch nur ein Informant unter vielen gewesen, ein kleines Licht. Anlass zur Selbstkritik? Ach wo, nicht mal zum leisesten Selbstzweifel. (Bis auf den Tagesspiegel; die Kollegen in Berlin wollen die zum Teil Jahre zurückliegende Berichterstattung erst einmal prüfen.)

Das Handelsblatt veröffentlicht das Buch von Schabirosky jetzt auszugsweise vorab. Und lässt sich von ihm im Interview ausführlich erklären, wie er das alles zustande gebracht hat. Alles im Sinne der journalistischen Wahrheitsfindung, natürlich.

Stefan Schabirosky, der Mann, dem Journalisten in der Vergangenheit glaubten und dem Journalisten heute wieder die Bühne bereiten, ist ein notorischer Lügner. Ein charakterloser Rufmörder. Übrigens auch ein wegen versuchter Erpressung verurteilter Straftäter. Einer, der jetzt angeblich reinen Tisch machen will – und der ganz nebenbei sein Buch promotet.

Diese Geschichte ist befremdlich, vieles daran ist widerwärtig. Und fassungslos macht die Tatsache, dass Menschen, deren Profession die Kommunikation ist, sei es in Unternehmen oder Medien, offenbar nichts aus dem Fall Pfeiffer gelernt haben. Sie werden wohl auch nach dem Fall Schabirosky weitermachen wie bisher. uv

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