Ingo Rentz

Ingo Rentz

Kampf gegen Fake News Facebook steht erst am Anfang

Freitag, 07. April 2017
Facebook hat nun auch in Deutschland erstmals ein Tool eingeführt, mit dem Nutzer über Falschnachrichten auf der Plattform aufgeklärt werden. Es handelt sich dabei um ein passives Instrument. Das heißt: Die Verantwortung, eine Fake News als solche zu erkennen, liegt beim Nutzer. Facebook will sich jedoch erkennbar seiner Verantwortung stellen, die Verbreitung von falschen Nachrichten so gut es geht zu unterbinden.
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Facebook Fake News Mark Zuckerberg


Das ist für sich genommen schon ein deutlicher Fortschritt. Noch Ende des vergangenen Jahres wollte Facebook-CEO Mark Zuckerberg nichts davon wissen, dass Fake News den Ausgang der US-Wahl beeinflusst haben könnten: "Ich persönlich glaube, die Überzeugung, dass Fake-Nachrichten auf Facebook die Wahl in irgendeiner Art und Weise beeinflusst haben könnten, ist verrückt", sagte er im November 2016.


Inzwischen ist das Problem der Fake News auf Facebook allerdings so virulent geworden, dass Facebook nicht umhin kam, einen ganzen Maßnahmen-Katalog zu entwickeln. Als Fortschritt darf man auch bewerten, dass das soziale Netzwerk die Bekämpfung von Fake News nicht allein den Nutzern überlässt. Neben der eigenen Community sollen auch externe Partner Falschnachrichten überprüfen. Zudem will Facebook die wirtschaftlichen Anreize für die Verbreitung von Fake News minimieren.
Facebook Fake News
Bild: Facebook

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Dass es nicht ausreicht, das Fake-News-Problem auf die Nutzer abzuwälzen, zeigt schon allein die Tatsache, dass ein bereits Anfang 2015 in den USA eingeführtes Tool zur Meldung von Falschmeldungen seine Wirkung offensichtlich verfehlt hat – sonst wäre das Problem heute nicht so groß.

Dass die Zusammenarbeit mit Drittanbietern erfolgreicher ist, diesen Beweis muss Facebook noch antreten. Hierzulande tut sich Facebook bekanntlich schon schwer genug damit, überhaupt geeignete Partner für die Identifizierung von Fake News zu finden.
Facebook befindet sich also gerade einmal am Anfang seiner Bemühungen. So könnten auf das soziale Netzwerk noch viele Fälle warten wie der des syrischen Flüchtlings Anas M., dessen Selfie mit Angela Merkel für diffamierende Foto-Montagen missbraucht wurde. Facebook habe sich die Diffamierungen nicht zu Eigen gemacht, urteilte das Landgericht Würzburg. Die Richter stellten aber auch fest: Weiß Facebook von derartigen Inhalten, muss es Maßnahmen ergreifen. Deswegen wäre es wichtig, dass Facebook möglichst schnell die Markierungs-Funktion für Fake-News-verdächtige Inhalte global einführt. 

Nichtsdestotrotz muss man feststellen: Facebook nimmt das Fake News-Problem offensichtlich nicht mehr auf die leichte Schulter.
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Bild: Fotolia / Lydia Geissler

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Dem wahren Problem bei vielen Fake News beizukommen, wird aber auch für Facebook schwer, wenn nicht unmöglich: Herabwürdigende, als Nachrichten verpackte Inhalte über Ausländer, Flüchtlinge oder Homosexuelle werden ja nicht deswegen so häufig geteilt, weil die Nutzer nicht in der Lage sind, einen offensichtlichen Fake zu erkennen. Sie werden geteilt, weil die Menschen sie teilen wollen.

Das klingt hässlich, aber es ist leider eine Tatsache: Facebook spiegelt nun einmal auch die intoleranten, menschenverachtenden Teile der Gesellschaft wider. ire

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