Heiko  Scherer, Clap

Heiko Scherer, Clap

Heiko Scherer Welche Websites die Medienwelt durcheinanderwirbeln könnten

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Alle Welt redet derzeit von der Huffington Post, dabei gibt es noch andere Websites, die die Medienwelt durcheinanderwirbeln könnten. HORIZONT.NET-Kolumnist Heiko Scherer stellt an dieser Stelle journalistische Online-Projekte vor, über die man sicher noch reden wird - und blickt dabei auch über den Tellerrand. Die viel diskutierte Krise journalistischer Inhalte in der digitalen Welt erscheint eher wie eine Krise großer journalistischer Organisationen, wenn man sich die Vielzahl spannender neuer Projekte, Anbieter und Plattformen mit einem Blick über den nationalen Tellerrand vor Augen führt. Mit starkem Fokus auf Nutzer, Reichweite und Technologie besetzen sie wirtschaftlich erfolgreich Nischen, aber zunehmend auch die großen journalistischen Themenbereiche. Grenzen zwischen selbst produzierten und kuratierten Inhalten verschwimmen dort längst, seriöser Journalismus existiert teils ungeniert neben Skurrilem. Dank schlanker, effizienter Strukturen und einem großen englischsprachigen Markt stehen einige kurz vor der Profitabilität und erreichen zwei- bis dreistellige Millionenbewertungen.

Viele etablieren sich zunächst in bislang durch die großen Player nicht besetzten Nischen und erwachsen dann, wie das Beispiel Buzzfeed zeigt, zunehmend zu einem neuen, gefährlichen Wettbewerb. Ein Wettbewerber, der kein Geschäftsmodell, keine alte Welt verteidigen muss. Das viel zitierte Phänomen der disruptiven Innovation scheint zumindest in den USA in den digitalen Medien angekommen zu sein. Das zeigen auch die folgenden Websites.

Bleacher Report

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2007 wurde Bleacher Report als Open Source -Publishing-Plattform für Sport-Inhalte gegründet. Die Qualität der Beiträge, die schreibende Fans und Hobby-Journalisten geliefert haben, erntete in den ersten Jahren viel Kritik. Heute gibt es eine eigene große Redaktion sowie mehr als 3000 freie Autoren. Im August 2012 wurde BR als eine der größten Sport-Sites der USA für circa 200 Millionen US-Dollar von Time Warner übernommen.

Pitchfork

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Pitchfork begann Mitte der 90er als unabhängiges Blog für Musikkritiken. Mittlerweile ist es eine weltweite, journalistische Musik-Institution und mit täglich rund einer viertel Million Nutzern die weltweit größte Site in dem Bereich. Mit eigenem Online-TV-Angebot oder internationalen Musikfestivals expandiert Pitchfork zunehmend in neue Bereiche und gewinnt auch in Europa immer mehr Fans.

Business Insider

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Wie Buzzfeed querfinanziert Business Insider seriösen Journalismus durch reichweitenstarke, unterhaltende Inhalte wie Top-Listen, Fotogalerien und Technik-Gossip. Und definiert so erfolgreich ein völlig neues Angebot digitaler Wirtschaftsnachrichten und -inhalte.

Buzzfeed

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Kein anderes digitales Nachrichtenangebot wird zurzeit so intensiv diskutiert und gefürchtet wie Buzzfeed, weil es sowohl inhaltlich, technisch als auch in Sachen Vermarktung vieles auf den Kopf stellt. Mit seinem Ansatz der sozialen Nachrichten-Aggregation hat es bereits heute mehr Nutzer als die New York Times . Und zeigt mit seinem radikalen Vermarktungsmodell gleichzeitig, wie Content-Marketing aussieht.

Vice

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Ein Klassiker unter den neuen Medien-Playern, längst etabliert und weltweit organisiert: Einst aus einem schrägen Szene-Printmagazin hervorgegangen, produziert und vermarktet Vice heute crossmediale Content-Formate und beliefert unter anderem das ZDF mit TV-Dokus.

Medium

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Während Buzzfeed inhaltlich vor allem boulevardeske Themen fokussiert, zeigen die zwei Twitter-Gründer Evan Williams und Biz Stone mit ihrer Blog-Publishing-Plattform Medium seit einem Jahr, wie Longform-Journalismus zukünftig aussehen kann. Das Projekt versteht sich als offene Plattform, die es sehr einfach ermöglicht, Artikel zu publizieren, zu diskutieren und zu teilen.

The Daily Beast

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2012 und 2013 gewann The Daily Beast den renommierten Webby Award für die beste News Website. Ein Blick auf die Seiten zeigt sowohl optisch als auch inhaltlich, wie innovativ man mit journalistischen Themen und Formaten heute umgehen kann. Und welche Möglichkeiten eine neue, reine Online-Marke haben kann.

Heiko Scherer ist Chef der Berliner Agentur Clapp, die digitale Strategien und Produkte für Marken und Medien entwickelt.
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