Ingo Rentz

Ingo Rentz

Halligalli-Parodie auf #Heimkommen Ihr habt es übertrieben!

Dienstag, 15. Dezember 2015
Es ist kein Zufall, dass halb Deutschland über Edekas Weihnachtsspot "Heimkommen" diskutiert. Die Geschichte kann dem einen oder anderen auch so schon makaber erscheinen. Was Joko und Klaas in "Circus Halligalli" daraus gemacht haben, geht jedoch zu weit! Eine Wutrede.

Eine Regel der journalistischen Sorgfaltspflicht lautet: Man sollte sich beim Schreiben nicht von seinen Gefühlen leiten lassen. Die persönlichen Emotionen sollten hinter der Arbeit zurückstehen. Wenn ein Journalist seine Meinung kund tun will, gibt es dafür das Stilmittel des Kommentars. Gefühle sollten auch darin jedoch eher eine untergeordnete Rolle spielen. Ich nutze bewusst diese Darstellungsform für diesen Text. Und dennoch kann ich nicht verhehlen, dass ich wütend bin. Ich bin wütend wegen einer Parodie auf einen Werbeclip. Worum geht es? Edeka und Jung von Matt haben mit "Heimkommen" wohl den besten Weihnachtsspot des Jahres kreiert. Den besten deshalb, weil in Deutschland und darüber hinaus über diesen Spot gesprochen wird. Das hat gute Gründe: Die Handelskette und ihre Agentur spielen mit dem Thema Tod auf eine Weise, die manchem Zuschauer übel aufgestoßen ist. Kontrovers? Sicher. Pietätlos? Vielleicht. Geschmacklos? Eher nicht.

Ganz anders sieht das bei dem Video aus, das Joko und Klaas für "Circus Halligalli" gemacht haben. Darin erzählen sie die Geschichte aus "Heimkommen" nach, sie interpretieren das Ende jedoch auf ihre Weise. Der alte Mann, im "Halligalli"-Spot gespielt von Promi-Friseur Udo Walz, wird am Ende von seiner aufgebrachten Verwandtschaft kurzerhand abgeknallt.
Man kann mich einen Moralapostel nennen. Aber das ohnehin schon sensible Thema Tod auf diese Weise zu interpretieren, geht gar nicht. Wir blicken gerade zurück auf das Jahr 2015. Es begann mit 12 Toten in Paris, erschossen von islamistischen Attentätern. In Syrien und Irak wütet der IS, mit der Waffe in der Hand. Wir haben alle noch die Bilder des ertrunkenen syrischen Flüchtlingsjungen vor Augen, der symbolisch für die Tausende steht, die im Mittelmeer ihr Leben gelassen haben. Und erst vor wenigen Wochen starben in Paris 130 Personen, erschossen aus nächster Nähe - wie Udo Walz in "Circus Halligalli".

Nochmal: Man kann meine Meinung gerne spießig nennen oder finden, dass ich übertreibe. Aber wenn Joko und Klaas so unbedingt provozieren wollen, dann sollen sie weiter ihre Drogen im ecuadorianischen Dschungel schlucken und vor laufender Kamera ihren Mageninhalt preisgeben. Niemand verbietet es ihnen, sich freiwillig selbst zu schaden. Den Tod durch die Waffe für einen Witz zu gebrauchen, gehört allerdings weder ins deutsche Fernsehen, noch auf Youtube. ire
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