Ingo Rentz

Ingo Rentz

Geschasster ARD-Experte Warum Mehmet Scholl fehlen wird

Donnerstag, 10. August 2017
Die Entscheidung der ARD, sich von ihrem Fußball-Experten Mehmet Scholl zu trennen, ist richtig: Sobald ein nicht für das Programm verantwortlicher Mitarbeiter der Sendeanstalt sich in die Programmplanung einmischt, ist eine rote Linie überschritten. Bitter ist Scholls Aus dennoch.

ARD-Sportchef Axel Balkausky hat anlässlich der Trennung von Scholl noch einmal klar bestätigt: Die Redaktion ist für die Inhalte zuständig, TV-Experten für die Meinung. Scholl hat, als er eigenmächtig vom Confed Cup abreiste, keine Meinung abgegeben, sondern blieb dem TV-Studio fern. Er hat damit quasi den Dienst verweigert.

Dass der 46-Jährige Ex-Kicker ausgerechnet der sensiblen Doping-Thematik keinen Platz einräumen wollte, kann der ARD, die mit WDR-Reporter Hajo Seppelt einen der profiliertesten Experten auf diesem Gebiet beschäftigt und dem Thema Doping viel Platz einräumt, schon gar nicht gefallen. Seppelt hat sich auf Twitter auch kritisch zu Scholl geäußert:
Allerdings schmerzt der Verlust sehr: Scholl ist ein Mann der klaren Worte, der sich nicht scheut, unbequem zu sein und Wasser in den Wein zu gießen. Als ganz Deutschland im vergangenen Jahr siegestrunken ob des Erfolgs des DFB-Teams bei der EM über Italien war, kritisierte Scholl lieber Löw-Berater Urs Siegenthaler, als in die Jubelarien einzustimmen.

Allerdings schoss der frühere Nationalspieler auch gerne übers Ziel hinaus – für seine Bemerkung über DFB-Stürmer Mario Gomez bei der EM 2012 ("Ich hatte Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss"), hat Scholl sich hinterher entschuldigt.
Opdenhövel Scholl
Bild: WDR/Sachs

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Wahrscheinlich hat es einigen in der ARD nun einfach gereicht mit Scholls Unberechenbarkeit.

Aber werden ARD und ZDF nicht regelmäßig dafür kritisiert, dass ihre Fußball-Moderatoren und -Reporter zu handzahm sind? Immer gefangen im Spannungsfeld zwischen Fansein und der journalistischen Distanz? Scholl war hierbei eine angenehme Ausnahme. Seine Kommentare waren oft nicht nur erfrischend, sondern auch höchst unterhaltsam.

Ob er immer richtig lag, darüber kann man diskutieren. Aber es ist doch absolut unstrittig, dass ein TV-Experte auch mal Dinge gegen den Strich bürsten muss, wenn die Angestellten des Senders das schon nicht tun.

Man kann nur hoffen, dass die ARD eine passende Nachfolgeregelung findet. ire

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