Frank Behrendt, Fischer-Appelt

Frank Behrendt, Fischer-Appelt

Frank Behrendt Warum der Start der Huffington Post ein Segen ist

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Warum der sprechende Turnschuh Cherno eine gute Wahl als Herausgeber und der Deutschland-Start der Huffington Post für die hiesige Medienszene ein Segen ist.

Die üblichen Bedenkenträger und Bejammerer vom Ende des Journalismus und der Welt haben sich schon reichlich ausgemährt über das Businessmodell der cleveren Arianna Huffington. Es wird nun auch in Deutschland mit hiesigen Inhalten und heimischen Autoren umgesetzt. Klar, dass die Verlagshäuser nicht in Jubel ausbrechen, einen vielbeachteten Mitbewerber mehr am digitalen Kioskhimmel zu erleben. Einer, der selbstbewusst daherkommt und mit seinem Modell nach zwei Jahren hier profitabel sein will. Andererseits braucht der Markt neue Impulse und Veränderungstreiber. Und da ist die Huffington Post ein absolutes Paradebeispiel, das aufzeigt, wohin die Content-Reise gehen könnte. Die Welt tickt nun einmal immer digitaler und Journalismus-3.0-Ikone Huffington hat schon früh ein interessantes und intelligentes Modell entwickelt. Sie war die Vordenkerin, wie man Themen von routinierten redaktionellen Leuchttürmen und engagierten interessierten Bloggern zur Lesefreude der Audience kombinieren kann.

Der Verbreitungs-Erfolg gibt ihr bislang Recht, auch wenn der finanzielle Erfolg in den USA auch acht Jahre nach Gründung noch hinterherhinkt. Nun also Deutschland. Als Anchor wurde Cherno Jobatey verpflichtet. Verstehen die nur Spaß oder haben sie sich wirklich was dabei gedacht, den ehemaligen Morgenplauderer, der der Nation so vertraut war wie der Klang des zu früh klingelnden Weckers, zu verpflichten? Sie haben sich was dabei gedacht! Und es ist intelligent: Denn Cherno ist zuallererst Journalist mit Leib und Seele. Er hat etwas Jugendliches ohne zu "nerdig" zu sein. Er ist sympathisch, er ist ein guter Vermittler für eine breite Zielgruppe, denn genau die braucht die HuffPost in Deutschland, um auch monetär eine Erfolgsgeschichte zu werden. Cherno steht für Geschichten, kann aber auch ernst. Vor allem: Er beherrscht sein Handwerk.

„Wäre doch gelacht, wenn Kai Diekmann nicht bald wieder ein neues Konzept aus seiner Cloud downloaded“
Die Armada der Gastautoren zum Start ist beeindruckend. Da schreiben Manager und Celebreties der Champions League. Allein das ist schon ein Indiz, dass sich die Elite des Landes viel von dem neuen Baby verspricht. Ob die Huffington Post hierzulande ein Erfolg wird oder nicht, darüber kann man trefflich streiten. Oder es einfach mal abwarten. Dass sie nun endlich da ist, auch wenn der Chefredakteur noch vom Spielfeldrand zuschauen muss, ist ein freudiges Ereignis und tut uns allen, die wir uns mit Content und deren Vermarktung beschäftigen, einfach gut. Das Modell ist gescheit, es ist eine Challenge für alle anderen. Auch wenn es um die Vergütung der Autoren geht. Bisher gibt es monetär nichts - dafür als "Wert" Wahrnehmung und Verbreitung. Aber das ist ja am Ende der Kette auch etwas, zumal in der digitalen Vermarktungswelt die Bedeutung des eigenen Blogs schließlich Geld wert ist. Man kann darauf wetten, dass es künftig auch Modelle geben wird, wo relevanter Content einen noch gravierenden Unterschied machen wird, ob in Angeboten mit oder ohne Bezahlschranke. Und da werden diejenigen, die Relevanz produzieren - und nur die - auch angemessen vergütet werden.

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Die Huffington-Postler machen bereits jetzt vieles richtig. Gönnen wir ihnen den Vorschusslorbeer. Wer das All-Stars-Team künftig in der Liga schlagen will, muss sich anstrengen und vor allem schneller und schlauer - kurz: besser sein. Wäre doch gelacht, wenn Kai Diekmann nicht bald wieder ein neues Konzept aus seiner Cloud downloaded. Was von der Huffington Post in Deutschland zu erwarten ist, ergibt sich aus der Orientierung am US-Vorbild. Ist also vorhersehbar aber nicht weniger spannend. Viel gespannter können wir auf die neuen und modifizierten Konzepte der anderen sein. Von denen wird man in Zukunft lesen, wenn auch nicht unbedingt in der Huffington Post.

Frank Behrendt ist Vorstand von FischerAppelt
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